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Zink-Kur im Fellwechsel – Unterstützung oder Unsinn?

Die ersten Pferdehaare fliegen – das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Fellwechsel-Futtermittel-Shopping-Zeit! Insbesondere Zink wird während des Fellwechsels als nahezu unverzichtbar angepriesen. Und so wird vielerorts entgiftet, entschlackt, entsäuert, und es werden fleißig Dosen mit Mineralstoffen und Kräutern eingekauft. Die Futtermittelindustrie vermarktet den Fellwechsel gerne als große Belastung für den ganzen Organismus, der man gezielt mit Produkten entgegenwirken muss. Das Wort “unterstützen” suggeriert, dass man sein Pferd nicht “unterstützt” – ja nahezu im Stich lässt, wenn man dieses oder jenes Produkt nicht kauft. Doch hilft viel tatsächlich immer viel? Oder was passiert da während dem Fellwechsel eigentlich?

Der Fellwechsel beim Pferd

Im Grunde genommen wird in etwa zur Sonnenwende (also Mitte Dezember oder Mitte Juni) ein Prozess gestartet, bei dem das Pferd das Wachstum von einer Sorte Haare anhält, und stattdessen das Wachstum einer anderen Sorte Haare anregt. Sobald nach der Wintersonnenwende die Tage länger werden und die Körperwärme steigt, wird die alte Sorte Haare stumpf und matt, und fällt nach und nach aus. Das ist tatsächlich keine Belastung für das Pferd, denn das neue Fell hat sich längst vollständig ausgebildet. Immerhin sind Pferde während des Fellwechsels nicht nackt 😉. Ebenso beginnen Pferde meistens bereits im August mit der Produktion des Winterfells, das sich im Laufe des Herbsts vollständig ausbildet. Zu der Zeit, zu der wir den Fellwechsel optisch wahrnehmen, ist dieser schon längst im vollen Gange oder gar abgeschlossen.

Zink-Kur zur Unterstützung im Fellwechsel?

Wie sinnvoll ist es nun, Mineralstoffe als Kur zu füttern, um den Fellwechsel zu unterstützen? Dazu muss man wissen, dass manche Mineralstoffe einen Resorptionszyklus von teils vielen Monaten haben. Das bedeutet, dass es vom Start der Fütterung bis zu einem halben Jahr oder länger dauern kann, bis nach einem Mangel die Speicher tatsächlich aufgefüllt sind, und der gesamte Organismus ausreichend mit diesem Nährstoff versorgt ist. Das bedeutet, dass man in der Regel nie für den kommenden, sondern erst für den übernächsten Fellwechsel füttert, wenn man sich dazu entscheidet, die Ration zu ändern.

Da sich jedes Gewebe ständig erneuert, und das Pferd das gesamte Jahr über Haare, Haut sowie Hufhorn bildet, benötigt es auch das ganze Jahr über eine bedarfsdeckende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen. Wozu also in zwei zufälligen Phasen im Jahr Zink füttern, nur um das Pferd dazwischen wieder in einen Zinkmangel kommen zu lassen? Nur mit einer dauerhaft passenden Versorgung ist das Pferd in der Lage, die Gewebeerneuerung und damit auch den Fellwechsel optimal ablaufen zu lassen.

Zinkkur im Fellwechsel schädlich?

Auf der anderen Seite ist Zink jedoch auch ein Schwermetall, welches bei einer Überdosis schädlich sein kann. Wunden werden gerne mit Zinksalbe versorgt, da Zink antibakteriell wirkt. Das gilt jedoch nicht nur für Bakterien in Wunden, sondern z.B. auch für Bakterien im Darm – das sogenannte Darmmikrobiom. Dieses ist unglaublich essentiell für das Immunsystem, die Verdauung und die Gesundheit des Pferdes im Ganzen. Füttert man Zink als Monopräparat oder hochdosiert in einem Mineralfutter zu, ohne den Bedarf im Blick zu haben, kann es schnell zu einer Überversorgung kommen, mit gravierenden negativen Auswirkungen auf das Darmmikrobiom und somit die Gesundheit im ganzheitlichen Sinne.

Die beste Lösung lautet daher, eine Ration zusammenzustellen, die den Bedarf aller wichtigen Nährstoffe deckt – ohne Mängel oder eine Überversorgung herbeizuführen. Ist die Fütterung einmal bedarfsgerecht zusammengestellt, passiert der Fellwechsel ohne Mühe ganz von alleine, da das Pferd dauerhaft gut versorgt ist. Davon profitiert nicht nur das Pferd, sondern diese Strategie schont auch den Geldbeutel!

Ansonsten ist viel Bewegung (schwitzen fördert den Fellwechsel!) sowie tägliches Putzen eine weitaus bessere Unterstützung für das Pferd, als das unüberlegte Füttern von Kuren und Fellwechselprodukten.

Woher weiß ich, ob mein Pferd mehr Zink benötigt?

Um zu wissen, ob dein Pferd ausreichend mit Zink (und anderen Mineralstoffen) versorgt ist, brauchst du eigentlich nur zwei Dinge: du musst den individuellen Bedarf deines Pferdes kennen und du musst wissen, wie viel Zink es über das aktuelle Futter aufnimmt.

Der Bedarf deines Pferdes ist individuell: es gibt spezielle Bedarfstabellen für Pferde, die dann aber um individuelle Faktoren (Alter, Rasse, Erkrankungen, Beanspruchung etc.) ergänzt werden müssen. Damit erhältst du den „Soll“-Wert.

Dann musst du nur noch schauen, wie viel Zink dein Pferd zur Zeit über das Futter erhält – also über das Grundfutter (Heu, Stroh, Wiese) und etwaiges Zusatzfutter (Kraftfutter, Mineralfutter). Vor allem der Zinkgehalt im Heu ist dafür relevant, denn den kannst du meistens nicht modifizieren. Das Mineralfutter kannst du dann passend dazu auswählen, um z.B. zu wenig Zink im Heu auszugleichen. Umgekehrt, wenn im Heu bereits genügend Zink enthalten ist, musst du darauf achten, dass über das Mineralfutter kein zusätzliches Zink zugeführt wird, um eben eine Überdosis zu vermeiden.

Wie kann ich den Zinkgehalt im Heu feststellen?

Der Zinkgehalt deines Heus wird von vielen Faktoren beeinflusst (z.B. Art der Pflanzen, Standort der Heuwiese etc.) und lässt sich daher nicht „von außen“ erkennen. Trotzdem kannst du diesen sehr einfach ermitteln, nämlich über eine Heuanalyse. Wie du das genau machst und wie du damit die Fütterung für dein Pferd optimal anpassen kannst (so, dass es dann auch genau richtig mit Zink versorgt ist!), zeigen wir dir in unserem 1×1 der Heuanalyse.

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