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Glossar

In unserem Glossar findest du Begriffsdefinitionen rund um die Kernthemen der Akademie für angewandtes Pferdewissen: Pferdegesundheit, Hufe, Haltung und Fütterung. Bei manchen Begriffen findest du Links zu weiterführenden Wissensseiten, bei denen du noch mehr über den Begriff erfahren kannst.

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Du bist über ein Stichwort gestolpert, das hier fehlt? Oder du hast gar neuere Informationen zu einem der hier gelisteten Themen, die wir aufnehmen sollten? Dann schreib‘ uns an info@pferdewissen.at, damit wir gemeinsam für mehr Wissen in der Pferdewelt sorgen!

A

Abrollpunkt

Als Abrollpunkt wird jener Punkt am Huf bezeichnet, über den der Huf beim Abfußen rollt. Wenn man den stehenden  Huf von der Seite betrachtet, dann hat der Bereich vor dem Abrollpunkt keinen Bodenkontakt. In dem Moment, in dem das Pferd abfußt (d.h. den Huf an den Trachten anhebt), hat nur noch der Abrollpunkt Bodenkontakt. Der Abrollpunkt verlässt also als letztes den Boden. Der Abrollpunkt kann über die Hufbearbeitung weiter nach vorne (Richtung Zehe) oder nach hinten (Richtung Trachten) verschoben werden. Das geht auch mittels Beschlag bzw. Bekleb und wird manchmal extra modifiziert, wenn eine Erkrankung vorliegt (beispielsweise wird bei einer Hufrollenentzündung der Abrollpunkt manchmal extra weiter nach hinten gelegt, um ein verfrühtes Abrollen zu bewirken, damit weniger Druck auf den Hufrollenkomplex entsteht).

ACTH

ACTH, kurz für Adrenocorticotropes Hormon, wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) produziert. Es steuert die Hormonbildung in den Nebennieren, u.a. eine kontrollierte Ausschüttung von Kortisol, einem Stresshormon, das viele Stoffwechselfunktionen im Körper steuert. Ist bei einem gesundem Pferd genügend Kortisol vorhanden, bewirkt dieses eine Drosselung der Produktion und Ausschüttung von ACTH. Die beiden Hormone sind in Balance. 

Bei der Erkrankung PPID (auch Equines Cushing genannt) erfolgt eine übermäßige Ausschüttung von ACTH, der Stoffwechsel entgleist. Eine mögliche Folge ist u.a. auch Hyperinsulinämie. Die genaue Kausalkette von PPID ist dabei noch nicht gänzlich untersucht, laufend werden in diesem Bereich jedoch neue Studien veröffentlicht, die uns hoffentlich bald ein vollständiges Verständnis der Erkrankung ermöglichen.

ACTH-Wert

Der ACTH-Wert wird mittels Diagnostik über das Blut ermittelt. Der Tierarzt nimmt deinem Pferd ein wenig Blut ab und schickt dieses ins Labor. Dort wird der Wert ermittelt. ACTH-Werte deutlich über den Refrenzwerten findet man bei Pferden, die PPID haben. Bei der Blutabnahme gibt es einiges zu beachten, um keine falsch positiven oder falsch negativen Ergebnisse zu produzieren.

Da der ACTH-Wert bei Stress auch bei gesunden Pferden höher wird, ist es wichtig, für die Blutabnahme den Stress möglichst gering zu halten. Bleibt der Tierarzt länger und macht noch andere Untersuchungen, ist es sinnvoll, das Blut zuerst abzunehmen und dann erst mit der Untersuchung fortzufahren, die den Stresslevel womöglich hebt. Auch Schmerzen machen Stress. Steckt dein Pferd also mitten in einem Hufrehe-Schub, wird der ACTH-Wert höher sein als sonst – hier macht eine nochmalige Kontrolluntersuchung Sinn, sobald sich die Schmerzen gelegt haben.

Aber Vorsicht: nach der Blutabnahme wird der ACTH im Blut abgebaut, die Probe muss also zeitnah ins Labor (optimalerweise wird das Blut innerhalb von zwei Stunden zentrifugiert und gekühlt ins Labor transportiert) und dort weiterverarbeitet werden – jedenfalls am selben Tag, ansonsten wird die Aussagekraft der Ergebnisse immer ungenauer und liefert womöglich falsch negative Ergebnisse. Es macht also Sinn, die Datumsangaben am Blutbefund unter die Lupe zu nehmen und mit dem Datum der Blutabnahme zu vergleichen, um etwas über die Aussagekraft des ACTH-Wertes im Blutbild sagen zu können. Es macht z.B. gar keinen Sinn, die Blutabnahme für einen Freitagnachmittag anzusetzen, wenn sie erst am Montag im Labor analysiert wird. 

Der ACTH-Wert ist auch stark abhängig von der Jahreszeit. Studien haben gezeigt, dass ein saisonaler Anstieg (auch bei gesunden Tieren) bei Pferden um die Juni-Sonnenwende herum beginnt, um die September-Tagundnachtgleiche herum seinen Höhepunkt erreicht und bis zur Dezember-Sonnenwende endet. Daher sollte man unterschiedliche Referenzwerte heranziehen, je nachdem zu welcher Jahreszeit die Blutabnahme erfolgt. 

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie weist darauf hin, dass womöglich auch rassebedingt unterschiedliche ACTH-Obergrenzen bei gesunden Pferden vorzufinden sind. Diese Erkenntnisse werden sicherlich in den nächsten Jahren noch in anderen Studien überprüft und bestätigt oder widerlegt.

Aktivstall

Ein Aktivstall ist ein Offenstall, der so angelegt ist, dass sich die Pferde aktiv bewegen müssen bzw. zu Bewegung animiert werden. Denn in einem “normalen” Offenstall steht zwar oftmals viel Bewegungsfläche zur Verfügung, die aber von den Pferden nicht genutzt wird (z.B. weil sie alle Bedürfnisse an einer Stelle, meist nahe am Stall, befriedigen können). Der Aktivstall teilt das vorhandene Areal meistens in verschiedene Zonen auf, die die Pferde je nach individuellem Bedürfnis nutzen können: Schlaf-/Ruhezonen, Fressbereiche, Wälzplätze, Trinkstationen etc. sind möglichst weit voneinander entfernt angeordnet und oftmals durch Hindernisse (z.B. Hecken oder große Baumstämme) getrennt.

Viele Aktivställe verfügen außerdem über automatisierte Fütterungsstationen, in denen z.B. Heu mittels Zeitsteuerung gefüttert wird oder es dezidierte Futterstationen für Kraft- und Mineralfutter gibt. Diese Stationen können von den Pferden nur mittels eines Transponders betreten werden, so dass jedes Pferd eine individuell angepasste Futterration erhalten kann. Eine besondere Form des Aktivstalls ist der Paddock Trail.

Arthrose

Die Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der sich der schützende Knorpel an den Knochenenden abbaut. Dadurch beginnen die Knochenenden aneinander zu reiben, was äußerst schmerzhaft ist und für Entzündungen sorgt. Die betroffenen Knochen reagieren auf die zusätzliche Belastung mit Verdichtung bzw. Zubildungen. Diese sind auf einem Röntgen erkennbar, wodurch auch die Diagnose erfolgt.

Der Knorpelabbau bzw. Knochenzubau ist irreversibel, d.h. kann nicht wieder umgekehrt werden. Die Erkrankung schreitet normalerweise in Schüben voran, d.h. dazwischen gibt es schmerzfreie Phasen, unterbrochen von schmerzhaften Entzündungsschüben. Meistens wird mit jedem Schub mehr Knochen zugebaut; je nachdem, in welchem Gelenk die Arthrose sitzt, kann ein Gelenk schließlich auch vollständig verknöchern (d.h. die betroffenen Knochen verwachsen miteinander). Dadurch ist das Gelenk nicht mehr beweglich sondern steif, aber dafür kann auch keine Reibung (und daher keine Entzündung) mehr entstehen. Das Gelenk ist dann in den meisten Fällen schmerzfrei.

Um Knorpelabbau und damit Arthrose effektiv vorzubeugen, gibt es nur ein einziges Mittel: Bewegung. Denn um Knorpelgewebe gesund zu erhalten, muss es gut durchblutet und mit Nährstoffen versorgt werden. Das passiert bei Knorpelgewebe allerdings passiv – ein bisschen wie bei einem Schwamm: bei Bewegung wird Flüssigkeit in das Gewebe hinein gepresst und wieder hinaus gedrückt. Daher ist es für Pferde auch im Sinne der Gelenkgesundheit überaus wichtig, dass sie sich den ganzen Tag über bewegen.

Artgerecht

Artgerecht bedeutet, den angeborenen Bedürfnissen einer bestimmten (Tier-)Art gerecht zu werden. Der Begriff bezieht sich meistens auf die Haltung der jeweiligen Spezies. Das Pferd ist ein soziales Beutetier aus Steppengebieten, woraus sich folgende Bedürfnisse ergeben:

  • Bewegung: das Pferd bewegt sich natürlicherweise quasi den ganzen Tag, und zwar über lange Strecken in langsamen Tempo; permanente Bewegung ist nicht nur für die Psyche des Pferdes wichtig, sondern auch für seinen Körper (Durchblutung, Hufabnützung, Muskulatur etc.)
  • Frischluft + Umweltreize: das Pferd ist dafür gemacht, sein Leben an frischer Luft und mit permanentem Weitblick zu verbringen; das gibt dem Pferd nicht nur Sicherheit (weil es auftauchende Raubtiere früh erkennen kann), sondern ist auch für die Atemwege, Haut und Hufe enorm wichtig; das Pferd ist kein Höhlentier (das vergessen wir als Menschen gerne mal)
  • Herdentier: Pferde leben in Herdengefügen zusammen; Herdendynamik ist ein sehr spannendes Thema und aus Wildpferdestudien erlangen wir laufend neue Erkenntnisse, wie Pferde miteinander interagieren und wie ihr soziales Gefüge funktioniert (nämlich nicht streng hierarchisch – es gibt keine “Führungsposition”, die ständig alles reguliert, sondern vielmehr situationselastische Rollenverteilungen); für unsere domestizierten Pferde sind daher Sozialkontakte und soziale Interaktionsmöglichkeiten (Spielen, Kraulen etc.) enorm wichtig
  • Dauerfresser: der gesamte Pferdekörper ist darauf ausgelegt, mehr oder weniger den ganzen Tag lang zu fressen, aber nicht unsere saftigen Kuhweiden, sondern karges Steppengras; das muss sowohl beim Nährstoffangebot berücksichtigt werden (was unsere Pferde fressen), als auch bei der Darreichungsform (wie unsere Pferde fressen) – das reicht von der Abnützung der Zähne über die Körperhaltung beim Fressen bis zum Verdauungstrakt; vom psychischen Effekt ganz zu schweigen

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B

Bedarfsgerechte Fütterung

Bedarfsgerechte Fütterung bedeutet, dem Pferd nicht einfach “irgendwas” und “Daumen mal Pi” zu füttern (oder allen Pferden im Stall das gleiche zu füttern), sondern genau zu ermitteln, welchen Bedarf dieses individuelle Pferd eigentlich hat.

Der Bedarf hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise: genetische Faktoren (Rasse/Zuchtlinie), Alter, Nutzung/Arbeitsintensität, Haltung, chronische oder akute Erkrankung, etc.

Aber wie wird der Bedarf eigentlich ermittelt? Dazu gibt es Bedarfstabellen, die aus div. Forschungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind und laufend nach aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden.Der Bedarf eines Pferdes ändert sich übrigens im Laufe des Pferdelebens mehrmals, manchmal sogar öfter innerhalb eines Jahres. Deshalb reicht es auch nicht, einmal einen Ernährungscheck durchführen zu lassen und dann 10 Jahre lang das Gleiche zu füttern. Wenn man selber kein Profi in diesem Bereich ist und sich auch nicht detailliert einlesen möchte, holt man sich am besten die Unterstützung einer unabhängigen Futterberatung.

Bekleb

Ein Bekleb, vielfach auch Klebebeschlag genannt, ist ein permanenter Hufschutz, der nicht mit Nägeln, sondern mithilfe von Kleber am Huf angebracht wird.

Um einen Bekleb individuell an den Huf anzupassen, benötigt man eine Grundplatte und Klebelaschen. Auf der Grundplatte wird die Hufform genau eingezeichnet und die Platte dann entsprechend zugeschnitten. Danach werden Klebelaschen an der Grundplatte montiert. Die meisten Systeme arbeiten dafür mit einem Heißluftfön, mit dem Plastik der Platte mit dem Plastik der Laschen verschmolzen wird. Die Laschen werden schließlich mit einem geeigneten Sekundenkleber an die saubere Hufwand geklebt.

Es gibt auch Optionen mit bereits integrierten Klebelaschen, hier muss man allerdings etwas Glück haben, damit das vorgefertigte Produkt genau auf den Huf passt.

Wenn du mehr zu dem Thema Bekleb wissen möchtest, kannst du u.a. hier über Praxisbeispiele oder hier über häufige Mythen weiterlesen.

Belastungsrehe

Belastungsrehe ist eine der drei Arten von Hufrehe. Sie entsteht bei einer sehr starken Belastung und fehlender Entlastung eines Hufes, was eine Minderdurchblutung verursacht, die zum Zelltod führt. Auslöser sind v.a. Verletzungen an einem Bein, die eine Belastung unmöglich machen – das andere noch stützende und nicht mehr entlastete Bein kann in diesem Fall eine Belastungsrehe entwickeln. Auf Englisch ist die Bezeichnung dieser Reheform mit dem Begriff supporting limb laminitis sehr treffend, alternativ wird sie auch als (mechanical) overload laminitis bezeichnet. Entwickelt ein Pferd z.B, nach einem langen Ausritt einen Reheschub, so lag hier meistens unerkannt schon länger eine subklinisches Rehegeschehen aufgrund einer endokrinen Problematik vor – es handelt sich also nicht um Belastungsrehe sondern um Endokrinopathische Hufrehe.

Blutbild

Bei einem Blutbild wird eine Blutprobe im Labor auf bestimmte Parameter untersucht. Ein Blutbild zeigt daher nur das, was explizit überprüft wird. Außerdem gibt das Blutbild nur die Zusammensetzung des Blutes zum Zeitpunkt der Blutabnahme wieder – manche Werte im Blutbild schwanken aber je nach Situation (Tageszeitpunkt, Stresspegel bei der Blutabnahme, Zeitpunkt der letzten Fütterung etc.) stark, so dass sie im Blutbild nur bedingte Aussagekraft haben (z.B. gewisse Hormonwerte). Andere Werte hingegen sind im Blutbild sehr stabil und besitzen eine hohe Aussagekraft (z.B. Entzündungswerte).

Blutbilder zu interpretieren, ist gar nicht so einfach. Jedes Labor verwendet unterschiedliche Maschinen mit unterschiedlichen Kalibrierungen, so dass die Werte auch nicht unbedingt von Labor zu Labor vergleichbar sind. Die Auswertungen inkludieren meistens nicht nur den absolut gemessenen Wert, sondern auch eine Angabe vom Labor zum Normbereich – dieser stellt aber lediglich einen statistischen Mittelwert dar und ist daher nicht als absolute Referenz zu verstehen. Unterschiedliche Labore setzen außerdem unterschiedliche Normwerte an; auch können aktuelle Forschungsergebnisse dazu führen, dass sich Referenzbereiche verschieben. Hier hängt es dann stark davon ab, wie sehr das jeweilige Labor am aktuellsten wissenschaftlichen Stand ist, ob der angegebene Normbereich noch Gültigkeit besitzt oder nicht.

Darüber hinaus ist es wichtig, einige Werte im Blutbild nicht isoliert zu betrachten, sondern im Gesamtbild: manche Werte beurteilt man besser in ihrem Verhältnis zu gewissen anderen Werten als in absoluten Zahlen. Das betrifft vor allem so manches Spuren- oder Mengenelement.

Die korrekte Interpretation von Blutbildern sollte daher stets von einem Profi erfolgen bzw. ggf. auch von mehreren Profis aus unterschiedlichen Fachrichtungen (z.B. allgemeiner Tierarzt, Ernährungsspezialist, Hufprofi).

Bockhuf

Beim Bockhuf (auch „Stelzfuß“ genannt) handelt es sich um eine Fehlstellung des Hufs bzw. der Zehengelenke; es kann sich dabei entweder um einen „echten“ oder „unechten“ Bockhuf handeln. Worin der Unterschied liegt, was das für Auswirkungen haben kann und was man dagegen tun kann, haben wir hier auf einer eigenen Wissensseite zum Bockhuf zusammengefasst.

Bodenbefestigung

Unter Bodenbefestigung versteht man im Pferdebereich gemeinhin den Kampf gegen Matsch. Dieser Kampf wird von so ziemlich jedem Stallbetreiber geführt, der den Pferden ganzjährigen Auslauf im Freien ermöglicht. Denn: je nach Pferdeanzahl, Auslaufgröße und Bodenbeschaffenheit (Hanglage, Bodenzusammensetzung) ist Matschbildung auf Naturboden in mehr oder weniger großem Ausmaß im Frühjahr und Herbst fast nicht zu vermeiden. Da Matsch aber sehr schnell sehr unhygienisch wird und daher große gesundheitliche Nachteile für die Pferde bringt, können verschiedene Maßnahmen zur Bodenbefestigung ergriffen werden. Dabei können entweder größere Flächen oder auch nur schmale Laufwege befestigt werden. Der Markt bietet eine schier unüberschaubare Masse an Produkten zur Bodenbefestigung im Pferdebereich und reicht von permanenten baulichen Maßnahmen bis zu wieder leicht rückbaubaren Innovationen. Bewährt hat sich dabei ein 3-Schicht-Aufbau, bestehend aus einer Tretschicht, Trennschicht und Tragschicht (Unterbau).

Borax

Borax (auch Borsaures Natron oder Natriumborat genannt) ist eine Bor-Verbindung, konkreter: das Natriumsalz der Borsäure (chemische Bezeichnung: Dinatriumtetraborat-Decahydrat). Borax kommt in der Natur vornehmlich beim Austrocknen von Salzseen vor und wird dort auch entsprechend abgebaut. Borax wird einerseits als Rohstoff verwendet (z.B. bei Glasuren von Porzellan) und andererseits als Haushaltsmittel (z.B. in Seifen, Putzmitteln, Insektiziden, Holzschutzmitteln etc.) sowie als Hilfsstoff in div. Anwendungen (z.B. dem Spielzeugschleim “Slime” oder für die Haltbarmachung von Kaviar). Früher wurden Borax-Lösungen auch als Hausmittel gegen div. Erkrankungen wie z.B. Arthrose angewendet – dazu gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg zur Wirksamkeit. Hingegen hat sich in klinischen Studien gezeigt, dass oral eingenommene Bor-Verbindungen die Geschlechtshormone erheblich beeinflussen. Die EU hat daher die Aufnahmehöchstmenge für Bor festgelegt, die mit der Nahrung nicht überschritten werden sollte. Bor ist nämlich auch in Mineralwasser, Nüssen, Früchten etc. enthalten.

Davon abgesehen ist die Wirkung von Borax als wirksames Desinfektionsmittel und zur Bekämpfung von Bakterien in Studien belegt worden. Äußerlich kann es daher zu diesem Zwecke effektiv angewendet werden (und wird als solches auch im normalen Handel verkauft) – man sollte es nur nicht einatmen oder schlucken (wie andere Desinfektionsmittel ja auch nicht). Da Borax als Gefahrstoff eingestuft ist, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und als fruchtschädigend gilt, ist eine Anwendung auch unter diesem Gesichtspunkt individuell abzuwägen.

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C

COR (Center of Rotation)

Der COR (“Hufgelenksdrehpunkt”) bezeichnet den Mittelpunkt des Hufgelenks, um den das Hufbein bei Bewegung rotiert. Der COR ist ein wichtiger Anhaltspunkt für die Hufbearbeitung, da bei einem gut ausbalancierten Huf der COR die Standfläche des Hufs in der seitlichen Betrachtung in ein 50:50-Verhältnis von Hebel und Stütze unterteilt. Das bedeutet, wenn man vom COR eine lotrechte Linie auf den Boden zeichnet, dann sollten sich 50% der Hufstandfläche vor dem COR befinden (also vom COR bis zum Abrollpunkt) und 50% dahinter (also vom COR bis zum Trachtenendpunkt). Je näher sich das tatsächliche Verhältnis an dieses Ideal-Verhältnis annähert, desto besser ausbalanciert ist der Huf. Ist hingegen beispielsweise die Zehe zu lange, so verschiebt sich dieses Verhältnis und zeigt an, dass nun z.B. die Beugesehnen übermäßig belastet werden.

COB (Chronisch Obstruktive Bronchitis)

veraltete Bezeichnung für Equines Asthma

COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease)

veraltete Bezeichnung für Equines Asthma

Cushing

Beim Equinen Cushing oder ECS (Equines Cushing Syndrom) handelt sich um eine Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse des Pferdes – es wird zu viel ACTH ausgeschüttet, was eine Störung des Hormonhaushaltes nach sich zieht. Mittlerweile hat sich in Fachkreisen der (medizinisch passendere) Begriff PPID durchgesetzt, da Equines Cushing nicht identisch mit der Cushing-Erkrankung bei Mensch oder Hund ist. PPID betrifft eine großen Teil der Pferde (Schätzungen bewegen sich bei > 20% aller Pferde über 15 Jahren, manche Pferde erkranken jedoch schon deutlich früher) und ist eine wesentliche Ursache für Hufrehe. Die Erkrankung ist bei täglicher Medikamentengabe sehr gut in den Griff zu kriegen.

CNS (Cresty Neck Score)

Der Cresty Neck Score ist eine Skala, mit deren Hilfe man die Fetteinlagerug am Hals eines Pferdes klassifizieren kann. Folgende fünf Stufen gibt es:

0Kein Kammfett sicht- und spürbar.
1Kammfett nicht spürbar, aber etwas Fett spürbar.
2Kammfett ist sichtbar, aber das Fett verteilt sich gleichmäßig vom Genick bis zum Widerrist. Der Kamm lässt sich leicht mit einer Hand halten, ist flexibel und lässt sich leicht von einer Seite zur anderen biegen.
3Der Kamm ist dick und weist in der Mitte des Halses mehr Fett auf als im Genick oder Widerrist. Der Kamm füllt eine Hand aus und lässt sich nicht so leicht von einer Seite zur anderen biegen.
4Der Kamm ist groß und mit hartem Fett verdickt und kann nicht mit einer Hand gehalten oder leicht von einer Seite zur anderen gebogen werden. Der Fettkamm kann an der Oberseite Falten aufweisen.
5Der Fettkamm ist extrem groß und kippt auf eine Seite.
CNS Klassifizierung

Ein gesunder Cresty Neck Score hat einen Wert zwischen Null und Zwei. Deutlich sichtbare Fetteinlagerungen am Mähnenkamm sind hingegen ein Indiz für Insulinresistenz und gehen mit einem deutlich erhöhten Hufreherisiko einher. Mit diesem Wissen ausgestattet greifen Hufbearbeiter*innen bei übergewichtigen Pferden fast automatisch vor der Hufbearbeitung auf den Mähnenkamm, um den Cresty Neck Score des Pferdes zu ermitteln.

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D

Dämpfigkeit

Als Dämpfigkeit bezeichnet man den Endzustand der RAO, wenn die betroffenen Pferde permanent die Bauchpresse zur Atmung benötigen und sich dadurch eine sichtbare Dampfrinne ausbildet.

Degenerativ

“Degenerativ” bedeutet “abbauend” bzw. “verschleißend” (“durch Verschleiß entstehend”). Der Begriff wird meistens in Zusammenhang mit Gelenken und Knochen verwendet und bezeichnet da Schädigungen der betroffenen Strukturen durch natürliche Abnützungsprozesse (z.B. Alterung oder Überlastung). “Degenerativ” bedeutet meistens auch, dass sich der Zustand verschlechtert, weil die Prozesse nicht aufgehalten werden können.

Diätgrenze

Muss ein Pferd abnehmen, ist es wichtig, keine Radikalkur zu starten, denn das ist gefährlich für den Organismus, steigert das Risiko einer Hyperlipämie und macht das Pferd möglicherweise noch kränker. Ja – bei einem übergewichtigen Pferd unbedingt Futter reduzieren und schrittweise Bewegung steigern – aber nicht mehr Gewichtsreduktion als 1,5% der Körpermasse pro Woche anstreben. Wir empfehlen hier das Buch “Purzel speckt ab” von Constanze Röhm.

Differenzialdiagnose

Als Differenzialdiagnosen bezeichnet man Erkrankungen mit ähnlicher oder manchmal nahezu identischer Symptomatik, die als mögliche Ursachen in Betracht gezogen werden müssen. Bei Schmerzen im Hufbereich sind, in Abhängigkeit von konkreter Symptomatik, mögliche Differenzialdiagnosen z.B. Hufrehe, Hufabszess, Hufbeinastfraktur, Arthrosen,… Erst unter sorgfältiger Einbeziehung aller Symptome kann eine finale Diagnose gestellt werden.

Doppelte Sohle

Als doppelte Sohle bezeichnet man eine Schicht Sohlenhorn, die auf der eigentlichen Sohle aufliegt und nicht (mehr) fest mit dieser verwachsen ist. Manchmal kann man so eine Schicht ganz einfach mit dem Hufauskratzer abheben, insbesondere wenn auf eine sehr trockene Phase eine sehr nasse Zeit folgt.

Ob so eine doppelte Sohle als Schutz dient oder hingegen auf die “echte” Sohle drückt, darüber streiten sich verschiedene Hufbearbeitungsrichtungen. Demnach gibt es auch keine eindeutige Aussage darüber, ob man so eine doppelte Sohle entfernen sollte oder nicht. Jedenfalls ist Vorsicht geboten: manchmal ist die “echte” Sohle unter so einer doppelten Sohle nicht allzu dick (manche meinen, weil die doppelte Sohle die Durchblutung abgedrückt hat) und benötigt daher ggf. Schutz (auch dann, wenn sich die doppelte Sohle von alleine heraus löst).

Dorsalwand

“dorsal” ist eine Bezeichnung zur Richtung in der Anatomie; ausgehend vom Menschen ist dabei “nach oben hin”/”zum Rücken gerichtet” gemeint. Die “Dorsalwand” bezeichnet demnach den Teil der Hufwand, der “nach oben gerichtet” wäre, wenn das Pferd mit ausgestreckten Armen wie ein Mensch stehen würde (bzw. wenn die Hinterhufe so umgelegt wären wie menschliche Füße). Das ist ein bisschen abstrakt vorzustellen, aber gemeint ist damit der vordere Teil der Hufwand (also jener Teil, der sichtbar ist, wenn man direkt von vorne auf den Huf blickt). Von der Seite betrachtet meint man mit der “Dorsalwand” meist den Umriss der Zehenwand.

Druckdolenz

Dieser Begriff gehört zum medizinischen Fachvokabular und bezeichnet, wie schmerzhaft der Organismus (das Pferd) auf mechanischen Druck an einer bestimmten Stelle reagiert. Wenn der Tierarzt beispielsweise die Sehnen am Röhrbein abtastet und das Pferd im Bereich des Fesselträgers auf Druck reagiert (d.h. das Bein wegziehen möchte), dann spricht man davon, dass der Fesselträger „druckdolent“ ist.

Durchtrittigkeit

Unter Durchtrittigkeit versteht man eine Hypermobilität des Fesselgelenks. Das bedeutet, dass sich das Fesselgelenk mehr beugt, als es physiologisch normal ist. Was genau “normal” ist, ist nicht eindeutig definiert bzw. hängt auch ein bisschen vom individuellen Körperbau des Pferdes ab (z.B. wie lange oder kurz das Fesselbein ist).

Durchtrittigkeit kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden, da die Stützfähigkeit von Sehnen und Bändern im Alter abnimmt. Es sind daher besonders ältere Pferde von Durchtrittigkeit betroffen und hier wiederum häufiger die Hinterbeine als die Vorderbeine.

Durch die Durchtrittigkeit werden oft Strukturen in den unteren Gliedmaßen überlastet, z.B. der Hufrollenkomplex.

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E

Einsinkeboden

Der Einsinkeboden ist streng genommen kein Fachbegriff, sondern eher ein erfundenes Wort von Hufmenschen, um eine ganz bestimmte Art von Böden zu bezeichnen: nämlich solche Böden, in denen der gesamte Barhuf gleichmäßig tragen kann. Auf unnachgiebigen Böden (z.B. Beton) wird das Körpergewicht des Pferdes nämlich hauptsächlich vom Tragrand des Hufs getragen und ggf. noch vom Strahl (je nachdem, wie gut dieser ausgeprägt ist), wohingegen die Sohle keine Last aufnehmen kann. Dadurch wird der Hufbeinträger übermäßig belastet. Optimal sind hingegen die Einsinkeböden: in ihnen kann der gesamte Huf einsinken und die Last des Körpergewichts optimal auf alle Strukturen des Hufs verteilen. Damit ist jedoch keinesfalls gemeint, dass die Pferde in weichem Gatsch stehen sollen; vielmehr sind damit Untergründe gemeint, die fest aber nicht verdichtet sind. Dazu gehört beispielsweise lockerer Sand oder Rundkies.

Wir haben hier auch ein kurzes Video zu dem Thema gemacht: Einsinkeboden auf YouTube ansehen.

EMS (Equines Metabolisches Syndrom)

Bei EMS, dem Equinen Metabolischen Syndrom, handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die durch die Entwicklung von Übergewicht und Insulinresistenz gekennzeichnet ist. Pferde mit EMS zeigen oftmals regionale Fetteinlagerungen, vor allem am Mähnenkamm (siehe auch CNS), am Schweifansatz, oberhalb der Augen und um den Schlauch oder das Euter herum. Häufig sind betroffene Pferde auch generell übergewichtig, aber nicht alle übergewichtigen Pferde haben EMS. EMS ist ein erheblicher Risikofaktor für Hufrehe.

Endophyten

Endophyten sind kleine Organismen, die sich im Inneren von Pflanzen ansiedeln (aus dem Griechischen: endo = innen, phytos = Pflanze). Meist handelt es sich um Pilze oder Bakterien; viele von ihnen gehen eine Symbiose mit der Pflanze ein (d.h. sie bilden eine Partnerschaft, die sowohl für die Pflanze als auch den Endophyten vorteilhaft ist). Manche dieser Symbiosen bestehen darin, dass die Endophyten Substanzen produzieren, die die Pflanze vor Fressfeinden schützen sollen. Auf der Pferdeweide sind es vor allem endophytische Pilze, die in bestimmten Situationen hohe Giftmengen produzieren und damit eine Gefahr für Pferde darstellen. Für die Pferdehaltung ist das insofern von Bedeutung, weil sich Endophyten vermehrt im unteren Bereich der Pflanze aufhalten, d.h. in kurz gefressenen Gräsern also jedenfalls verstärkt von Pferden gefressen werden. Und die vermehrt auftretenden Endophytengifte stehen in Verdacht, der Pferdegesundheit zuzusetzen.

Endokrinopathie

Unter dem Begriff der Endokrinopathie werden Erkrankungen subsumiert, die das endokrine System betreffen, also das System aus spezialisierten Organen, Geweben und Zellgruppen, das die Steuerung von Körperfunktionen mithilfe von Botenstoffen (Hormonen) vollzieht. Es handelt sich also um eine Störung der Hormonproduktion, -regulation oder -wirkung. Synonym wird der Begriff Endokrinologische Erkrankungen verwendet. Die beiden wichtigsten Endokrinopathien im Pferdebereich sind Insulinresistenz und PPID.

Endokrinopathische Hufrehe

Die Endokrinopathische (oder auch oft schlicht “endokrine” genannte) Hufrehe ist die häufigste Form von Hufrehe (Experten schätzen den Anteil bei über 85% aller Hufrehe-Fälle!). Die Ursache bei dieser Art von Hufrehe liegt dabei in hormonellen Fehlfunktionen, ausgelöst allen voran durch EMS und PPID, sehr häufig in Kombination mit Insulinresistenz. Von außen deutlich sichtbare Warnzeichen sind daher Fettleibigkeit und/oder lokal begrenzte Fettpolster – zur besseren Einschätzung gibt es dazu den BCS (Body Condition Score) und CNS (Cresty Neck Score). Ein Blutbild kann für manche Pferde ebenfalls aufschlussreich sein. Aber auch eine verbreiterte weiße Linie, Fühligkeit im Frühjahr (aufgrund der Weidesaison!), Rillen im Huf, Probleme mit dem Fellwechsel oder häufig tränende Augen können besorgniserregende Anzeichen auf eine Stoffwechselstörung und daher ein erhöhtes Risiko für endokrinopathische Hufrehe sein. Sollte ein Pferd eines oder gar mehrere dieser Sympome zeigen, muss unbedingt bereits präventiv (also vorbeugend) gehandelt werden, damit es nicht zu einer subklinischen Hufrehe oder gar einem akuten Schub kommt.

Endokrinopathische Hufrehe wird schlussendlich durch zu viel Stärke und Zucker ausgelöst. Pferde, die ein erhöhtes Risiko bzw. hormonelle Fehlsteuerungen tragen, müssen daher mit sehr kritischem Auge gefüttert werden. Jedes einzelne Futtermittel muss streng kontrolliert werden: der Anteil an Stärke und Zucker darf zusammenaddiert nicht mehr als 10% betragen (besser wäre unter 8%), da sie ansonsten den Insulinspiegel zu stark ansteigen lassen. Das betrifft nicht nur Zusatzfuttermittel (Mineralfutter, Kraftfutter, Leckerlis etc.), sondern insbesondere auch das Heu: denn je nach Schnittzeitpunkt, Pflanzenart und Witterungsbedingungen beim Aufwuchs kann der Zucker- und Stärkegehalt ganz erheblich schwanken und manchmal deutlich über 10% liegen. Das gleiche gilt auch für Wiese, wobei in den frischen Pflanzen der Gehalt an Stärke und Zucker nochmal bedeutend höher ist als in getrocknetem Heu. Pferde, die ein erhöhtes Risiko für endokrinopathische Hufrehe haben, dürfen daher keinesfalls auf die Weide, egal zu welcher Tageszeit. Auch nicht dann, wenn die Weide bereits kurz gefressen ist! Denn dann kommt zusätzlich noch das Problem der Endophyten dazu.

Wenn ein Pferd an einer endokrinopathischen Hufrehe leidet, dann ist die Hufbearbeitung in den meisten Fällen erst mal sekundär. Sehr viel wichtiger ist, dass die Fütterung korrigiert wird, damit sich der Stoffwechsel wieder normalisieren kann und die fehlerhafte Hormonproduktion wieder reguliert wird. Erst dann kann der Huf wieder normal einwachsen und wieder eine feste Anbindung an das Hufbein bilden. Je länger die falsche Fütterung anhält, desto größer werden die entstehenden Schäden und desto schwieriger wird es, den Huf wieder zu sanieren. In schweren Fällen ist dies schließlich gar nicht mehr möglich; häufig entwickeln sich solche schwerwiegenden Fälle aus jahrelanger undiagnostizierter subklinischer Hufrehe.

EOTRH

EOTRH steht für Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis – also Zahnabbau (Resorption) an der einen Seite, und ein Zement-Zubau (Zementosis) auf der anderen. Die degenerative Erkrankung betrifft fast immer nur die Schneidezähne des Pferdes und verursacht erhebliche Schmerzen, die aber von außen oftmals nicht erkannt werden. Zu erkennen ist EOTRH auf Röntgenbildern. Betroffene Pferde versuchen die Schmerzen an den Zähnen zu vermeiden und können (müssen aber nicht) ein gestörtes Fress- oder Trinkverhalten zeigen. Ein Indikator für eine mögliche Erkrankung ist der Karottentest: tut sich das Pferd schwer, mit den Schneidezähnen von einer Karotte abzubeißen? Manche Pferde wollen dann auch kein kaltes Wasser mehr trinken oder fressen allgemein weniger.

Die genaue Ursache für die Erkrankung ist derzeit noch nicht bekannt, vermutet wird eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Nach einer Extraktion der (betroffenen) Schneidezähne durch den Tierarzt können die Pferde wieder schmerzfrei leben und auch wieder ganz normal fressen (auch grasen). Details zur Zahnextraktion und Nachversorgung finden sich beispielsweise in diesem Erklärvideo einer spezialisierten Tierärztin.

Equines Asthma

Equines Asthma ist der Überbegriff für verschiedene Arten von chronischen Lungenerkrankungen beim Pferd. Früher sprach man auch von COB oder COPD.

Equines Asthma entsteht, wenn eine akute Lungenerkrankung nicht oder nicht vollständig kuriert wurde, aufgrund von genetischen Faktoren oder wenn das Pferd andauernd lungenschädlichen Stoffen ausgesetzt ist (z.B. Ammoniak, Feinstaub oder Schimmelsporen).

Equines Asthma wird unterteilt in leicht bis mittelgradig (IAD) und hochgradig (RAO). Das Endstadium des Equinen Asthmas ist die Dämpfigkeit.

Erbsenkiesel

siehe Rundkies

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F

Faszien

Faszien sind faszinierende Strukturen: man kann sie sich als elastische Hüllen oder eine Art Netz vorstellen, die verschiedene Teile des Körpers umhüllen und miteinander verbinden. Sie sind sehr elastisch und passen sich daher bei Bewegungen sehr gut an. Faszien können aber auch “verkleben” und verhärten; die entsprechenden Körperareale können dann mitunter äußerst schmerzhaft und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sein.

Faszien können in oberflächliche, viszerale (= organanhaftend) und tiefe Faszien unterteilt werden. Weiters können Faszien nach ihren Verbindungen mit Muskeln in sogenannte “myofasziale Ketten” eingeteilt werden; man spricht hier auch von anatomischen Zuglinien oder Führungsbahnen. Das sind quasi funktionale Verbindungsstränge über den gesamten Körper – so gibt es beispielsweise myofasziale Ketten vom Kopf des Pferdes über den Rücken bis zu den Hinterhufen. Körperliche Probleme oder Beschwerden in einem Teil dieser Verbindungslinien können alle anderen verbundenen Körperteile ebenfalls negativ beeinflussen. Daher ist es oft gar nicht so einfach zu sagen, wo die Ursache eines Problems liegt.

Körperarbeit, in Form von Massagen, Gymnastik, Wärmetherapie und allgemein Förderung der Körperwahrnehmung können zur Gesunderhaltung von Faszien beitragen.

Founder

siehe Hufrehe

Fruktan

Fruktan ist ein langkettiges Kohlenhydrat, das in Pflanzen als Energiespeicher dient. Es wird hauptsächlich im Stängel der Pflanze gespeichert. Ist das Wetter gut für Pflanzenwachstum, verwendet die Pflanze diese Energie für das Wachstum, der Fruktangehalt in der Pflanze sinkt. Es gibt Pflanzen, die von Natur aus eher fruktanarm sind, so wie auch welche, die besonders fruktanreich (z.B. Wiesenschwingel, Deutsches Weidelgras) sind. 

Hartnäckig hält sich der Mythos, Fruktan auf der Weide sei DER Risikofaktor für Hufrehe. Dementsprechend gibt es mittlerweile auch einige Apps, die den Fruktanwert anhand von Wetterdaten an einem bestimmten Standort abschätzen und als Ampelfarben ausgeben. Ist die “Fruktanampel” grün, kann das Pferd vermeintlich risikofrei aufs Gras – das stimmt so aber nicht! Die überwiegende Mehrheit der Pferde, die aufgrund von Weidegang Hufrehe entwickelt, sind insulinresistente Pferde. Die Hufrehe wird in diesem Fall durch Hyperinsulinämie hervorgerufen, und hier spielt nicht Fruktan eine Rolle, sondern Einfachzucker und Stärke. Fruktan hat hingegen nur minimale Auswirkungen auf den Glukose- und Insulinspiegel.

Aber woher stammt die Erzählung über Fruktan und Hufrehe eigentlich? Fakt ist: eine Forschergruppe rund um Christopher Pollitt (Professor Emeritus an der Universität von Queensland, Australien) führte Versuche durch, bei denen gesunden Pferden über eine Magensonde sehr große Mengen Fruktan (konkret: Oligofructose) verabreicht wurden und damit eine Hufrehe ausgelöst wurde. Bei diesem Forschungsergebnis müssen jedoch zwei Faktoren beachtet werden: 1.: die in den Versuchen verwendete Menge an Fruktan kann von einem Pferd natürlicherweise über Futteraufnahme nicht erreicht werden, weil sie dazu zu langsam fressen bzw. Weidegras nicht über so hohe Fruktanwerte verfügt. 2.: die so ausgelöste Hufrehe war eine Vergiftungsrehe, weil so unnatürlich hohe Fruktanmengen in so kurzer Zeit zum Absterben von Darmbakterien führt. Das betont Pollitt auch regelmäßig (siehe zum Beispiel Christopher Pollitt et al. Treatment of laminitis: what should we focus on?. Revista Acadêmica: Ciência Animal, 2019, 17. Jg., Nr. Supl. 2, S. 35-41.) Pferde, die Hufrehe aufgrund von Weidegang erleiden, haben jedoch in aller Regel eine endokrine Hufrehe (Ausnahme: wenn das Pferd Giftpflanzen gefressen hat). Fruktan ist also nicht das Hauptproblem beim Gras.

Hat dein Pferd eine endokrine Problematik wie EMS oder PPID, schützt ein niedriger Fruktanwert dein Pferd definitiv nicht vor Hufrehe. Es gibt hier keine Ampel, auf die man sich verlassen kann. Bei diesen Formen der Endokrinopathie birgt jeder Weidegang das Risiko einer Hufrehe, auch an Tagen, an denen der Fruktangehalt minimal ist.

Fühligkeit

In der Pferdewelt spricht man von “Fühligkeit” bzw. “fühlig gehen”, wenn ein Pferd nicht eindeutig lahm ist, aber dauerhaft oder in bestimmten Situationen wie auf rohen Eiern läuft. Die betroffenen Pferde halten sich oft in der Schulter fest, knicken manchmal auch ein und zeigen kurze und klamme Schritte. Häufig verstärkt sich die Fühligkeit auf hartem oder steinigen Boden (die Pferde versuchen dann oft auf weicheren Untergrund auszuweichen), da die Ursache oft eine dünne Sohle ist. Es gibt jedoch auch eine ganze Bandbreite an anderen Ursachen: fast jede Hufkrankheit bzw. unphysiologische Hufsituation kann Fühligkeit verursachen, genauso wie auch falsche Hufbearbeitung.
Fühligkeit ist oft auch ein erstes Anzeichen für eine Krankheit, beispielsweise ist es ein Indikator für subklinische Hufrehe. Wenn ein Pferd fühlig läuft, ist das also keineswegs normal, sondern es sollte gründliche Ursachenforschung betrieben werden. Bis die Ursache abgestellt ist, sollte das Pferd mit Hufschutz ausgestattet werden (z.B. mit Bekleb oder Hufschuhen).
Es gibt jedoch auch (wenige) Situationen, in denen fast jedes Pferd ohne Hufschutz fühlig geht, nämlich über scharfkantigen Schotter auf unnachgiebigem Untergrund (z.B. Split auf Asphalt).

Futterberatung

Futterberaterinnen und Futterberater, sind Expert*innen, die dich bei der Rationsberechnung zur individuellen und bedarfsgerechten Versorgung deines Pferdes mit allen Nährstoffen unterstützen. Bei kranken Pferden kann Futterberatung bei der Erreichung von Therapiezielen bei bestehenden Erkrankungen unterstützen, sei es Unter- oder Übergewicht, Stoffwechselstörungen wie EMS oder PPID, schlechte Hufqualität, Hufrehe, Magenproblemen, etc. oder auch diffusen Problemen wie etwa stumpfes Fell, plötzlicher Leistungsabfall, Muskelabbau, zu viel oder zu wenig Energie. Eine Rationsberechnung ist natürlich auch bei einem gesunden Pferd sinnvoll, um Mängel und Überschüsse bei der Fütterung zu vermeiden und damit wesentlich zur Prävention von Erkrankungen beizutragen.

Futterrehe

Unter “Futterrehe” versteht man Hufrehe, die durch Futter ausgelöst wird. Der Begriff ist aber insofern nicht ganz korrekt, da Futter verschiedene Arten von Hufrehe auslösen kann. Denn je nach Futterart und -menge kann dadurch entweder eine Vergiftungsrehe (z.B. durch Giftpflanzen oder eine durch Futter ausgelöste Kolik) oder eine endokrinopathische Hufrehe (z.B. durch stärkehaltiges Getreide oder zuckerhaltiges Heu) ausgelöst werden. Präziser ist es, die Bezeichnung nicht nach dem zunächst offensichtlichen Auslöser (Futter) sondern nach der Art der ausgelösten Hufrehe (toxische oder endokrine Hufrehe) zu wählen, da hier jeweils unterschiedliche Therapieansätze erfolgen müssen.

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G

Giftpflanzen

Gemäß dem deutschen Duden ist eine Giftpflanze eine “Pflanze, die einen giftigen Stoff enthält, der bei Menschen und Tieren eine schädliche, zerstörende, tödliche Wirkung hat”. Entsprechend dieser Definition ist für manche Pferde bereits normales Gras eine Giftpflanze, da es eine schädliche Wirkung auf sie haben kann.
In den meisten Fällen trifft aber eher der Ausspruch des schweizerisch-österreichischen Arztes Paracelsus zu: “Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.”. Das bedeutet, dass es häufig darauf ankommt, welche Menge ein Pferd von einer Pflanzensubstanz aufnimmt (meistens über den Magen, manchmal aber auch über die Haut), damit es zu schädlichen Wirkungen kommt. Viele Giftpflanzen können allgemeine Vergiftungszustände hervorrufen (Fieber, schlechter Allgemeinzustand etc.), manche können aber auch nur bestimmte Organe oder Körpersysteme angreifen bzw. zerstören (z.B. die Atmung oder das Nervensystem).
Im Pferdebereich gibt es jedenfalls ein paar hochgiftige Pflanzen, die bereits bei Aufnahme von geringen Mengen zum Tod führen können. Man darf sich dabei keinesfalls auf die “natürlichen Instinkte” des Pferdes verlassen, wonach Pferde solche Pflanzen automatisch meiden würden. Viele Pferde sind schlichtweg aufgrund ihrer Herkunft oder Aufzucht nie in Kontakt mit bestimmten Giftpflanzen gekommen und haben daher nie gelernt, diese zu meiden. Ein Beispiel sind importierte Pferde, die keine Herbstzeitlose kennen – dies hat bereits zu traurigen Todesfällen geführt. Andere Pferde wiederum knabbern aus purer Langeweile oder aus Hunger scheinbar alles an. Daher sollte man besser den gesamten Pferdebereich – Stall, Auslauf, Weide – regelmäßig gründlich auf Giftpflanzen kontrollieren und diese ggf. akribisch bekämpfen.

Glykämischer Index

Der glykämische Index (GI) ist ein Maß für die Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Je geringer der GI, desto weniger und langsamer steigt der Blutzuckerspiegel an.

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H

Hangbeinlahmheit

Das Hangbein ist beim Pferd die Gliedmaße, die sich beim Vorwärtsgehen im Vorschwingen befindet. Bei der Hangbeinlahmheit tritt der Schmerz also nicht beim Auftreten des entsprechenden Beins auf (das wäre Stützbeinlahmheit), sondern in dessen Bewegung. Die Schmerzen kommen hier meist von “weiter oben” aus dem Körper, z.B. aus der Schulter, dem Knie oder dem Hüftgelenk. Die Hangbeinlahmheit ist üblicherweise auf weichem Boden deutlicher zu sehen.

Heuanalyse

Heu kann einerseits sensorisch bewertet werden (Aussehen, Geruch, Haptik) und andererseits analytisch (Inhaltsstoffe, mikrobielle Belastung). Für letzteres gibt es Heuanalysen: dabei werden Heuproben aus dem gesamten Heulager entnommen und an ein Labor geschickt. Das Labor analysiert dann den Gehalt an jenen Werten, die beauftragt wurden. Das können beispielsweise folgende sein:

  • Trockensubstanz/Wasser
  • umsetzbare Energie
  • Rohprotein/verdauliches Protein
  • Rohfaser
  • Rohfett
  • Rohasche
  • Sand
  • Zucker
  • Fruktan
  • löslichen Kohlenhydrate (NFC)
  • Futterhygiene (Schimmelpilze, Hefen, Milben etc.)
  • bestimmte Giftpflanzen
  • Mineralstoffe (z.B. Kalzium, Phosphor, Natrium, Magnesium, Kalium, Selen)
  • Spurenelemente (z.B. Kupfer, Zink, Mangan, Eisen, Schwefel, Jod)

Eine Heuanalyse dient einerseits zur Klärung der Frage, ob das analysierte Heu für den jeweiligen Pferdebestand geeignet ist (oder beispielsweise für hustende Pferde oder Stoffwechselkandidaten ungeeignet ist). Andererseits bildet die Heuanalyse die Basis für eine individuelle Rationsberechnung.

Heulage

Heulage wird nach dem Schnitt deutlich kürzer getrocknet als Heu, sie wird auf nur 40-60% Trockenmasse heruntergetrocknet, gepresst und luftdicht verpackt. Die luftdichte Verpackung ist dabei ganz wesentlich, da sonst das Entstehen schädlicher Bakterien und Hefen begünstigt wird. Umso luftdichter gepresst wird, umso besser, weswegen sich sehr stängelreiches, spät gemähtes Heu für Heulage weniger eignet. Da sie staubarm ist, wird sie gerne bei equinem Asthma gefüttert.
Da Heulage einen hohen glykämischen Index hat, ist sie für die Fütterung von Pferden mit Insulinresistenz an sich nicht geeignet, siehe z.B. Carslake, H. B., et al. „Insulinaemic and glycaemic responses to three forages in ponies.“ The Veterinary Journal 235 (2018): 83-89.

Heuraufe

Heuraufen sind Gestelle für Heu (ggf. auch Stroh), die an der Wand angebracht oder freistehend aufgestellt werden. Sie schützen das Raufutter vor dem Zertreten, Wegwehen und Beschmutzen. Es gibt sie in verschiedenen Größen und aus verschiedenen Materialien, beliebt sind Holz- und Metallraufen, mit oder ohne Überdachung. Sie können zusätzlich mit Heunetzen ausgestattet sein. Ebenfalls gibt es Optionen mit Zeitsteuerung, die Pferden nur zu bestimmten Uhrzeiten den Zugang zum Raufutter ermöglicht.

Bei der Anschaffung bzw. Montage ist jedenfalls darauf zu achten, dass die Pferde sich nicht in Zwischenräumen von Stäben udgl. verfangen können. Hier empfiehlt sich eine ausgiebige Recherche, um das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Ein weiteres wesentliches Thema ist die Fresshöhe: optimal ist es, wenn Pferde in natürlicher Haltung von oben fressen können. Dies bedeutet auch, dass viele handelsübliche Heuraufen für Kleinpferde und Ponies kaum geeignet sind. Entscheidend ist ebenfalls die Anzahl der Fressplätze, die in der Praxis einer Pferdeherde deutlich geringer ausfallen kann, als sie bei einer Heuraufe theoretisch möglich wäre. In Gruppenhaltung ist es jedenfalls sinnvoll, mehrere Heuraufen aufzustellen, damit auch rangniedrige Tiere entspannt fressen können.

Hornspalt

Hornspalte sind Trennungen der Hornwand, die in Längsrichtung der Hornrörnchen verlaufen. Oftmals treten sie in der Zehen oder Seitenwand auf, seltener findet man sie in der Trachtenwand. Sie entstehen zumeist aufgrund von ungleichen Belastungsverhältnissen am Huf: durch übermäßige Belastung oder Hebelwirkungen entstehen hohe Spannungen in der Hornkapsel, sodass es zu einem Riss im Horn kommt. Es gibt oberflächliche Hornspalte (Windrisse), tiefe Hornspalte, die tief bis in die Hufwand reichen sowie durchdringende Hornspalte, die durch die ganze Wand hindurch bis hin zu Blättchenschicht reichen. Letztere können auch mit Blutungen oder Eiterungen und Lahmheiten einhergehen.

Früher wurden Hornspalten oftmals geklammert, d.h. mit einer metallenen Klammer versehen, um den Spalt zusammenzuhalten. Manchmal werden auch heute noch Querrillen in den Huf geraspelt, um das weitere “Aufspringen” des Spalts nach oben zu verhindern. Beide Maßnahmen ändern jedoch rein gar nichts an der Ursache und sind daher selten zielführend. Besser ist es, den Huf in Balance zu bringen und die verursachenden Spannungen bzw. Hebel zu beseitigen. Dazu gehört ein Ausbalancieren der Hornkapsel (passend zu den Gelenken – das muss optisch nicht symmetrisch aussehen!) und eine physiologische Bearbeitung der Eckstreben. Wenn bereits Risse vorhanden sind, muss die Korrektur meist in sehr engen Intervallen erfolgen, d.h. oftmals alle 3 Wochen. Das können Pferdebesitzer auch selbst erlernen und so eng mit einem Hufprofi zusammenarbeiten.

Weiters sind Hornspalten Einfallstore für Bakterien und Pilze; wenn das der Fall ist, so muss die Infektion parallel zur Bearbeitung bekämpft werden, da es dann nicht mehr ausreichend ist, nur die Ursache (Spannung/Hebel) zu beseitigen. Je nach Tiefe des Hornspalts muss der Riss mechanisch akribisch gesäubert, desinfiziert und mit einer Hufpaste versiegelt werden. Tägliche Versorgung ist dafür unerlässlich, oftmals eignen sich auch Hufbäder zur Behandlung.

Hufabszess

Ein Hufabszess (oder auch Hufgeschwür genannt) ist eigentlich weder ein Abszess noch ein Geschwür im medizinischen Sinne; der Fachbegriff lautet daher stattdesse “eitrige Huflederhautentzündung” (“Pododermatitis purulenta”). Dabei entsteht eine Art Eiterblase im Huf und nachdem die Hufkapsel sehr starr ist, verursacht diese “Blase” einen äußerst schmerzhaften Druck nach innen auf die sensiblen Strukturen im Huf. Pferde mit Hufabszess gehen daher oft stocklahm und belasten den betroffenen Huf manchmal gar nicht. Die Lahmheit tritt häufig sehr plötzlich auf.

Je nach Lokalisation kann zwischen oberflächlichen und tiefen Hufabszessen unterschieden werden. Bei oberflächlichen Hufgeschwüren ist der Eiter gräulich-schwarz und die Infektion sitzt noch zwischen Hufhorn und Huflederhaut. Wenn die Infektion bereits tiefer geht (im schlimmsten Fall kann sie das Hufbein befallen), ist der Eiter hingegen eher rötlich-gelblich.

Die meisten Hufabszesse sind jedoch oberflächlich und klingen daher sehr unproblematisch wieder ab: sobald die Eiterblase ein “Ventil” gefunden hat, kann der Druck entweichen und die Pferde erfahren sofortige Linderung. Daher ist es bei einem Verdacht auf Hufabszess sehr sinnvoll, einen Hufverband mit feuchter Einlage zu machen (z.B. mit angegossenen Wundauflagen), damit das Hufhorn aufweicht und der Abszess schnell einen Weg nach außen findet.

Manchmal verlaufen Hufgeschwüre aber auch gänzlich unauffällig und man findet eher zufällig im Rahmen einer Hufbearbeitung eine alte Eiterblase, die bereits trocken ist.

Hufbad

Ein Hufbad kann zu unterschiedlichen Zwecken durchgeführt werden. Im Sommer ist ein einfaches Hufbad mit normalem Wasser hilfreich, um die Hufe vor der Bearbeitung etwas aufzuweichen.
In den meisten Fällen spricht man aber von einem Hufbad als desinfizierende Maßnahme, wenn der Huf mit Bakterien (Strahlfäule) oder Pilz befallen ist. Der Vorteil eines Hufbads liegt darin, dass die verwendeten Mittel wirklich in jede Ritze kriechen können und dort auch für eine gewisse Dauer verweilen, um wirklich ihre volle Wirkung entfalten zu können. Wie lange die Hufe gebadet werden sollten, hängt vom verwendeten Mittel ab. Dazu eignen sich tlw. handelsübliche Reinigungsmittel wie Chlor oder Borax, die verdünnt angewendet werden.
Manche Pferde finden es unheimlich (oder lästig), wenn sie einige Minuten lang reglos mit den Hufen in einer Schüssel mit Flüssigkeit stehen sollen. In solchen Fällen kann man stattdessen spezielle Wässerungsschuhe oder einfach Plastiksackerl um die Füße verwenden. Bei allen Maßnahmen gilt jedenfalls: das Pferd langsam daran gewöhnen und zunächst mit normalem Wasser üben, falls das Pferd die Desinfektionslösung verschüttet oder auch mal seine Nase hinein hält.
Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Hufbad kontraindiziert ist (zB eine extrem dünne Sohle, die man nicht zusätzlich aufweichen sollte). Ob ein Hufbad notwendig ist und wie du das in deinem Fall am besten machst, klärst du am besten mit deinem Hufprofi vor Ort ab.

Hufbeinträger

Der Hufbeinträger ist die Verbindung zwischen der Wandfläche des Hufbeinrückens und der Innenfläche der Hornkapsel. Sprich: er verbindet Hufwand und Hufbein. Man kann sich diese Verbindung wie einen sehr, sehr festen Klettverschluss vorstellen. Und trotz dieser starken Haftung aneinander wird hier ein langsames Vorbeigleiten der Zellen ermöglicht, denn die Wand wächst ja weiter, während das Hufbein an Ort und Stelle bleibt. Im Detail ist diese Struktur natürlich komplizierter, aber das Fazit ist jedenfalls: Dank des Hufbeinträgers wird das Hufbein (samt gesamten Körpergewicht des Pferdes) bei einem gesunden Pferd in einer Schwebeposition im Huf gehalten. Genau diese Verbindung zwischen Hufbein und Hufwand ist es auch, die bei einer Hufrehe geschwächt wird oder im schlimmsten Fall verloren geht (dann spricht man von “Ausschuhen”).

Hufgelenksdrehpunkt

siehe COR

Hufgeschwür

siehe Hufabszess

Hufmechanismus

Es gibt keine klare Definition für den Hufmechanismus – verschiedene Leute meinen verschiedene Dinge damit. Gemeinhin wird unter dem Hufmechanismus aber die Fähigkeit des Hufs verstanden, sich unter Belastung zu verformen. Manche Pferdemenschen meinen damit nur die horizontale Weitung des Hornschuhs. Mindestens genauso wichtig ist aber die Verwindungsfähigkeit der Hornkapsel: damit kann sich der Huf nämlich an Unebenheiten im Untergrund anpassen und so die darüberliegenden Gelenke entlasten.

Manchmal ist mit dem Hufmechanismus auch die dadurch entstehende Pumpfunktion gemeint: denn durch das Zusammenziehen und Weiten der Hornkapsel bei jedem Schritt und Tritt des Pferdes, wird Blut in den Huf gesogen und wieder heraus gedrückt. Auf diese Art und Weise wird die Blutpumpe des Herzens unterstützt.

Der Hufmechanismus hat für den Pferdehuf daher eine äußerst wichtige Funktion und in den allermeisten Fällen möchte man den Hufmechanismus bestmöglich fördern. In seltenen Fällen wird jedoch das therapeutische Ziel gesetzt, den Hufmechanismus “auszuschalten”, so dass möglichst wenig Bewegung im Huf entsteht und die Hornkapsel möglichst ruhig gestellt wird. Dies wird v.a. im Fall von Hufbeinfrakturen (oder Hufbeinastfissuren-/brüchen) angeordnet, damit der Knochen in Ruhe verheilen kann (vergleichbar mit einem Gips beim Menschen). Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass dadurch auch die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung der verletzten Struktur vermindert ist und eine solche Maßnahme daher nur möglichst kurz gehalten werden sollte.

Hufpilz

So wie Menschen Fußpilz bekommen können, können Pferde Hufpilz bekommen. Und zwar gar nicht so selten: bei Pilzinfektionen am Huf setzen sich Dermatophyten in den Wandschichten fest und zersetzen von dort aus das Horn. Da sich diese Pilze besonders unter feucht-warmen und dunklen Orten wohl fühlen, bietet so ein Huf das ideale Milieu. Gerade bei andauernd feuchter Witterung oder unhygienischen Haltungsbedingungen weicht das Hufhorn auf und bietet Bakterien und Pilzen Einfallspforten für Infektionen. Aber auch mechanische Zerstörungen der Hufwand (z.B. durch Nagellöcher, Hornspalten, Schwächung der weißen Linie bei Hufrehe etc.) erleichtern den Dermatophyten den Einfall in den Huf und setzen sich dann dort häufig hartnäckig fest. Um eine Pilzinfektion zu beseitigen, müssen befallene Stellen am Huf bestmöglich entfernt bzw. mechanisch gereinigt und anschließend desinfiziert werden (z.B. mit Kristallviolett). Außerdem muss für eine möglichst trockene und hygienische Haltung gesorgt werden, um Neuinfektionen zu verhindern.

Hufrehe

Hufrehe ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das von verschiedenen Krankheiten hervorgerufen werden kann. Dabei verliert der Hufbeinträger seine feste Verbindung und “leiert aus” oder kann sich gar vollständig auflösen. Je nach Ursache unterscheidet man heutzutage verschiedene Arten von Hufrehe – das ist insofern wichtig, weil bei jeder dieser Arten verschiedene Vorgänge im Huf stattfinden und sie auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Es ist daher von enormer Wichtigkeit, die genaue Ursache zu kennen, da sonst womöglich eine falsche Behandlung erfolgt.

Konkret gibt es folgende drei Arten von Hufrehe:

Außerdem kann Hufrehe zusätzlich nach einem zeitlichen Faktor eingeteilt werden: 

  • Zu Beginn steht die subklinische Hufrehe, die nicht bei allen Hufrehe-Arten beobachtet wird, bei zugrundeliegenden endokrinen Erkrankungen zumeist aber eine wesentliche Rolle spielt. Deutliche klinische Symptome sind nicht immer eindeutig, aber pathologische Prozesse sind bereits im Gange, auf englisch daher auch developmental stage genannt..
  • Es folgt die Phase der akuten Hufrehe (aktiver Schub), das Pferd verspürt deutliche Schmerzen, die Reheerkrankung wird klinisch deutlich sichtbar. Die Dauer einer akute Hufrehe ist schwer zu definieren. In der Literatur liest man häufig von 24 bis 72 Stunden, dies gilt aber nur dann, wenn der Auslöser für die Hufrehe auch tatsächlich identifiziert und abgestellt wurde, andernfalls kann ein Reheschub auch deutlich länger andauern. In dieser Phase schreitet die Zerstörung des Hufbeinträgers fort. Das deutlichste Anzeichen für das Nachlassen eines akuten Reheschubs ist das Nachlassen von Schmerz. Schmerzmittelgabe kann diese Wahrnehmung jedoch verfälschen und zu Fehlinterpretationen des Zustands führen.
  • Für die chronische Hufrehe gibt es unterschiedliche Definitionen. Zumeist wird chronische Hufrehe als Fortsetzung des akuten Stadiums definiert und geht mit einer Lageveränderung des Hufbeins in der Hufkapsel einher. Hier lässt sich noch unterscheiden zwischen chronisch aktivem Stadium (Hufbein ist verlagert und instabil) und chronisch stabilem Stadium (klinisch liegen nur noch lokale Befunde wie Druckempfindlichkeit vor, das Pferd ist aber lahmfrei und die Lage des Hufbeins ist stabil, Wand- und Sohlenhorn wachsen gesund nach).
    Manchmal wird der Begriff der chronischen Hufrehe auch enger gefasst, nämlich nur, wenn aufgrund der Reheerkrankung irreversible Schäden entstanden sind, z.B. ein verbogener Hufbeinrand (“Hutkrempe”, “Skispitze”), der dazu führt, dass sich der Zehenwandverlauf nicht mehr vollständig normalisieren lässt.
    Und unter dem Begriff “chronischer Rehehuf” wird meistens ein Huf verstanden, dessen hochgradige Schädigung darauf zurückzuführen ist, dass verabsäumt wurde, nach einem akuten Reheschub die Hornkapsel zu sanieren. Diese Vernachlässigung führt langfristig zumeist zu irreversiblen Schäden an Knochen und Lederhäuten.

Im Englischen wird bei Hufrehe zwischen den Begriffen laminitis und founder differenziert. Der Begriff Laminitis bezieht sich auf die Entzündung der (Lamellen der) Huflederhaut. Er ist auch im deutschsprachigen Raum als Bezeichnung für Hufrehe gebräuchlich. Founder kommt hingegen von to founder, ein Begriff für das Sinken. Der Begriff wird im englischsprachigen Raum manchmal synonym für Laminitis verwendet, manchmal jedoch ganz konkret, um die Veränderung der Lage des Hufbeins (Hufbeinabsenkung) zu beschreiben.

Hufrillen

Rillen (auch Ringe genannt) verlaufen (parallel zum Kronrand und entstehen dann, wenn irgendein Geschehen zu verändertem Hufwachstum geführt hat. Die Rillen sind meistens erst dann ersichtlich, wenn das Geschehen bereits vorbei ist und die Rille herunterwächst.

Hufrillen sind nicht zwingend ein Anzeichen für Probleme – können es aber unter Umständen sein. Es kommt auf den konkreten Auslöser des geänderten Hornwachstums an. Folgende Ereignisse können Rillen im Huf erzeugen:

  • geänderte Fütterung: das ist wohl die häufigste Ursache; manchmal ist die Änderung unproblematisch (z.B. Wechsel von der Sommerweide zu Heufütterung oder Änderung des Mineralfutters); manchmal kennzeichnet die Hufrille aber auch den Anfang eines ernährungsbedingten Problems (z.B. Hufrehe)
  • Entzündung: sowohl systemische Entzündungen als auch lokale Entzündungsgeschehen können das Hornwachstum beeinflussen und daher zu Hufrillen führen
  • Medikamentengabe: da das Hornwachstum hormongesteuert ist, können insbesondere solche Medikamente zu Rillen in der Hufwand führen, die auf den Hormonhaushalt wirken (z.B. Kortison)

Hufrolle

“Hufrolle” (“Podotrochlea”) ist die gebräuchliche Abkürzung für “Hufrollenkomplex”. Der Hufrollenkomplex bezeichnet ein Areal im Huf, zu dem mehrere verschiedene Strukturen gehören, nämlich:

  • das Strahlbein (“Os naviculare” = ein kleiner Knochen in Form eines Weberschiffchens im Huf, der quasi die “Umlenkrolle” für die tiefe Beugesehne ist)
  • das obere und untere Strahlbeinband (das sind die Verbindungsbänder des Strahlbeins zum Hufbein und Kronbein, “Ligamentum sesamoideum distale impar” und “Ligamentum sesamoideum collaterale”)
  • der Ansatz der tiefen Beugesehne (die über das Strahlbein läuft)
  • der Hufrollenschleimbeutel (“Bursa podotrochlearis”, ist für das reibungslose “Rollen” der Sehne über den Knochen verantwortlich)
  • Anteil am Hufgelenk

Wenn eine dieser Strukturen erkrankt (z.B. entzündet ist), so spricht man von einer Hufrollenentzündung (“Podotrochlose”). Oftmals kann man dabei nicht genau sagen, welche der Strukturen betroffen ist, da man das Weichteilgewebe (Schleimbeutel, Sehnen, Bänder) nur mittels Magnetresonanztomographie (MRI bzw. MRT) sicher beurteilen kann. Eine Hufrollenentzündung wird daher oft diagnostiziert, wenn das Pferd Schmerzen im hinteren Hufbereich zeigt bzw. auf eine Leitungsanästhesie in diesem Bereich positiv reagiert.

Bei einer Hufrollenentzündung wird oftmals zu einem Spezialbeschlag geraten; besser wäre es jedoch, die Ursache ausfindig zu machen und zu beheben. Denn oftmals sind einfach eine falsche Hufbearbeitung (Stellung, Zehenlänge, Eckstreben etc.) oder auch ganz simple Strahlfäule für die Schmerzen verantwortlich und können entsprechend behoben werden.

Hufschuh

Ein Hufschuh ist ein temporärer Hufschutz, d.h. ein Hufschutz, der nach Bedarf an- und ausgezogen werden kann. Es gibt unterschiedliche Arten von Hufschuhen:

  • Reitschuhe (diese werden nur beim Reiten/Fahren angezogen und können z.B. auch mit Spikes ausgerüstet werden; diese Schuhe sind für starken Abrieb bzw. hohe Kilometerleistung ausgelegt)
  • Krankenschuhe/Wässerungsschuhe (diese ähneln eher Gummistiefeln und sind dazu gedacht, dass sie mit Flüssigkeiten gefüllt werden können bzw. den Huf vor Verschmutzung im Krankheitsfall schützen können; sie sind nicht dazu gemacht, dass sich die Pferde damit übermäßig bewegen)
  • 24h-Schuhe (diese Schuhe sind dazu gemacht, dass sie auch über einen längeren Zeitraum von den Pferden getragen werden können, z.B. im Offenstall; allerdings sollten sie trotzdem 1x täglich ausgelüftet werden, damit sich darin keine Feuchtigkeit sammelt; die Schuhe können außerdem mit Einlagen ausgestattet werden)

Es gibt mittlerweile eine schier unüberschaubare Menge an verschiedenen Hufschuhmodellen und nicht jedes Modell passt jedem Pferd bzw. ist nicht für jede Anforderung geeignet. Zudem müssen die meisten Hufschuhe passgenau eingestellt oder individuell angefertigt werden, damit sie gut sitzen, nicht reiben und sicheren Halt bieten. Es zahlt sich daher aus, einen Profi dafür zu Rate zu ziehen.

Hufverband

Ein Hufverband ist ein Verband um den Huf, der entweder bei Verletzungen, Operationen oder bei Verdacht auf einen Hufabszess angelegt wird. Es gibt verschiedene Arten von Verbänden: z.B. kann bei einem Lederhautvorfall ein Druckverband nötig sein oder zum Reifen eines Hufabszesses ein Angussverband gemacht werden. Auch bei Hufkrebs kann ein desinfizierender Hufverband angebracht werden.

Die einfachste Form eines Hufverbands sollte sich in jeder Stallapotheke finden und von jedem Pferdebesitzer angebracht werden können. Dazu wird eine Einweg-Windel um den Huf gelegt und mittels Panzertape fixiert. So ein Hufverband ist sehr schnell angelegt und das Pferd kann sich damit weiterhin bewegen. Unter der Windel können auch Wundauflagen oder andere Einlagen verwendet werden bzw. kann der Verband von außen bei Bedarf mit desinfizierenden Lösungen angegossen werden.

Hufzange

Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Arten von Hufzangen, und jede hat einen ganz spezifischen Zweck. Zu den gebräuchlichsten gehören:

  • Hufschneidezange/Hufzwickzange: zur Bearbeitung des Hufs, meist zum Kürzen (Abzwicken) der Hufwand oder auch der Kastanien und des Sporns
  • Hufabtastzange: eine Untersuchungszange für den Huf; damit kann der Huf Stück für Stück auf Druckempfindlichkeit abgetastet werden, um z.B. einen Hufabszess lokalisieren zu können

Davon abgesehen gibt es einen ganzen weiteren Haufen an speziellen Hufzangen für den Hufbeschlag: von Abnehmzange über Aufweitzange, Nagelziehzange und Feuerzange bis Aufbrennzange und noch viele mehr.

Hyperlipämie

Hyperlipämie ist eine Fettstoffwechselstörung, die u.a. durch eine stark negative Energiebilanz (bspw. bei einer drastischen Diät), Stress oder bestimmte Erkrankungen ausgelöst werden kann. Die Pferde können ihren Energiebedarf nicht decken und greifen auf die Fettreserven zu. Die Leber synthetisiert aus den Fettsäuren Triglyceride, welche über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden und Energie liefern. Wird die Leber bei diesem Stoffwechselvorgang durch eine übermäßige Fettmobilisation überlastet, sind erhöhte Triglyceridgehalte im Blut die Folge. Es kommt zur Verfettung und schweren Schäden an Organen, bis hin zum Tod des Pferdes.

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I

IAD (Inflammatory Airway Disease)

IAD ist die milde bis moderate Form des equinen Asthmas und das häufigste Krankheitsbild hustender Pferde. Nasenausfluss und Schleimauswurf sind hingegen nicht immer sichtbar. Wenn eine IAD nicht ausreichend behandelt wird bzw. die Ursachen nicht abgestellt werden, kann sich daraus auch die schwere Form des equinen Asthmas (RAO, Dämpfigkeit) bilden.

Insulin

Insulin ist ein Hormon, das u.a. den Blutzuckerspiegel reguliert. Es fungiert als Schlüssel, der notwendig ist, damit Glukose aus dem Blut von den Zielzellen aufgenommen (und in weiterer Folge in Energie umgesetzt) werden kann.

IR (Insulinresistenz)

Bei einem gesunden Pferd dient Insulin als Schlüssel, der die Zellen für die Aufnahme von Glukose “aufsperrt” (die Insulinrezeptoren schicken, wenn Insulin andockt, ein Signal an den Glukosetransporter – dieser tritt durch die Zellmembran, nimmt Glukose auf und transportiert dann die Glukose ins Innere der Zelle). Liegt nun eine Insulinresistenz vor, reagiert dieser Mechanismus nicht mehr gut auf das Insulin. Es wird immer mehr und mehr Insulin produziert. Man spricht von Hyperinsulinämie (über das normale Maß hinausgehende erhöhte Konzentration von Insulin im Blut).

Ischämie

Unter Ischämie versteht man allgemein die Minderdurchblutung oder ein vollständiger Durchblutungsausfall eines Gewebes, eines Körperteils oder Organs. Bei Pferden kann dies zum Beispiel bei einer Verdrehung einer Darmschlinge passieren (intestinale Ischämie). Eine Ischämie der Huflederhaut wird auch in Zusammenhang mit Hufrehe beschrieben.

ISG (Illiosakralgelenk)

Das ISG, auf Deutsch Kreuzdarmbeingelenk, befindet sich direkt unter dem höchsten Punkt der Kruppe. Es fungiert als Kräfteüberträger: über das ISG, bzw. die ISG, denn davon gibt es zwei, wird die Kraft von der Hinterhand in die Wirbelsäule und damit nach vorne geleitet. Bei Symptomen wie ungeklärten Lahmheiten, Bewegungsunlust, reduziertem Untertreten mit der Hinterhand hört man häufig “das ISG ist blockiert”. Eine vermutete Blockade des ISG gehört gut abgeklärt (auch differenzialdiagnostisch) und behandelt.

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J

JKK (Jakobskreuzkraut)

Das Jakobskreuzkraut ist eine meistens zweijährige krautige Pflanze: Im ersten Jahr wird eine Blattrosette gebildet, im zweiten Jahr erscheint der Stängel mit den gelben Blütenständen. Es bevorzugt warme, sonnige Standorte mit mäßigem Nährstoffgehalt, breitet sich gerne auch auf übernutzten Pferdeweiden aus. Alle Pflanzenteile, sowohl frisch als auch getrocknet im Heu, sind hochgiftig für Pferde. Die höchste Alkaloid-Konzentration wird in der Blüte erreicht. 

Aufgrund einiger ungiftiger Doppelgänger ist eine genaue Bestimmung der Pflanze ratsam. Sollte es sich um JKK handeln, ist eine konsequente Bekämpfung gefragt.

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K

Kolloide

Als Kolloide werden winzige Teilchen oder Tröpfchen bezeichnet, die in einem Dispersionsmedium (fest, gasförmig oder flüssig) fein verteilt sind (kolloidal). In der Pferdewelt liest man u.a. von kolloidalen Mineralien und Spurenelementen, die in Pflanzen und im Erdreich vorkommen und für die Mineralisierung des Pferdes zum Einsatz kommen könnten. Kolloidales Silber wird als natürliches Antibiotikum diskutiert – sowohl zur oralen Gabe als auch als Wundspray. Kolloidales Silber zeigt in vitro (lat. “im Glas”, also außerhalb eines lebenden Organismus) eine antimikrobielle Wirkung. Für die Wirksamkeit der inneren Anwendung fehlt ein wissenschaftlicher Nachweis mit randomisiert-kontrollierten Studien.  

Kolloide entwickeln sich in der Pferdewelt gerade zu einem neuen Trend-Thema. Wie bei allen Hypes ist es sicherlich sinnvoll, zu hinterfragen, was man mit der Anwendung erreichen will und welche gesicherten Erkenntnisse es dazu gibt.

Koppen

Koppen ist eine Verhaltensstörung, die bei manchen Pferden beobachtet wird. Pferde spannen beim Koppen ihre Halsmuskulatur an, ziehen Luft ein und schlucken diese scheinbar herunter – in der Fachsprache wird das Aerophagie genannt. Dabei entsteht ein rülpsendes Geräusch, der typische Kopp-Ton. Aufsetzkopper setzen die oberen Schneidezähne auf einen festen Gegenstand, z.B. Boxentür, auf und koppen dann. Freikopper sind deutlich seltener, sie haben gelernt, auch “ohne Hilfsmittel” zu koppen. Ziel des Koppens ist Stressabbau – beim Koppen werden Endorphine ausgeschüttet, das Pferd empfindet das als sehr angenehm und beruhigend. Unterschiedliche Studien zeigen einen Einfluss des Haltungs- und Fütterungsmanagements auf die Entwicklung des Koppens: Pferde mit ausreichend Raufutter und viel Platz für Bewegung, also insgesamt einer artgerechten Haltung, zeigen des Verhalten seltener. Auch Magengeschwüre scheinen mit Koppen assoziiert zu sein. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Pferd von einem anderen das Koppen “abschaut”, also dass Koppen ansteckend ist.

Kreuzverschlag

Der Kreuzverschlag ist eine Muskelerkrankung, die nach einer Belastung beim Pferd auftritt (Belastungsmyopathie). Die Symptome treten üblicherweise nach einer größeren Belastung, oft nach vorangegangenen Ruhetagen, auf (daher auch “Feiertagskrankheit”). Es gibt milde und starke Verläufe. Die Muskulatur des Pferdes, vor allem an Kruppe und Rücken, ist verkrampft und schmerzt. Kreuzverschlag und Hufrehe haben einige Symptome gemeinsam: Sägebockhaltung, Schmerzgesicht, starkes Schwitzen, erhöhte PAT-Werte. Hier ist Differenzialdiagnostik gefragt.

Kristallviolett

Kristallviolett (auch Gentianviolett) ist ein violetter Farbstoff, der als lokales Antimykotikum (Arzneimittel gegen Pilzinfektionen) zum Einsatz kommt, und sich in vielen Fällen auch bei der Behandlung von Pilzinfektionen am Huf bewährt hat. 

Im Internet stolpert man manchmal über den Hinweis, Gentianviolett sei krebserregend. Fakt ist, dass Gentianaviolett zu den Stoffen mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung zählt und damit der EU-Gefahrenkennzeichnung unterliegt, wie etwa auch Basilikumöl, der Arzneistoff Ivermectin oder die im Kaffee enthaltene Kaffeesäure. Bei der Anwendung werden Schutzmaßnahmen empfohlen – Schutzbrille und Handschuhe verwenden!

Eine ausgiebige Literaturrecherche zum Einsatz und Wirksamkeit von Kristallviolett bietet u.a. die kostenfrei im Internet zugängliche Studie von Pona, A., Quan, E. Y., Cline, A., & Feldman, S. R. (2020). Review of the use of gentian violet in dermatology practice. Dermatology Online Journal, 26(5).

Kryotherapie

Unter Kryotherapie oder auch Kältetherapie versteht man die lokale Anwendung von  Kältereizen für einen therapeutischen Effekt. Der Effekt besteht darin, dass sich die Gefäße verengen, wodurch die Durchblutung vermindert wird.

Bei Pferden kommt die Kryotherapie immer wieder bei Hufrehe zum Einsatz, auf diese Weise soll Schädigungen am Hufbeinträger entgegengewirkt werden. In Studien hat dies bei Vergiftungsrehe effektiv gewirkt, da durch die verringerte Durchblutung weniger Schadstoffe zu den Hufen gelangen. Bei anderen Hufrehe-Ursache ist der Einsatz jedoch u.U. kontraproduktiv, insbesondere bei Winterlaminitis, da bei dieser die Minderdurchblutung aufgrund der Umgebungskälte das ursächliche Problem ist.

Um den therapeutischen Nutzen sicherzustellen, müssen nicht nur die Hufe, sondern die Beine bis zur Mitte der Röhrbeine für 72 Stunden in sehr kaltes (Eis)Wasser gestellt werden. Dies ist in der Praxis für Pferdebesitzer kaum umsetzbar. Sporadisches Kühlen mit Wasserschlauch oder kurzzeitiges Kühlen der Hufe im Wassereimer hat diesen Effekt der lokalen Stoffwechselreduktion nicht (es ist eher ist ein gegenteiliger Effekt zu erwarten, der im Reheschub nachteilig wirkt).

Kunstrasen

Kunstrasen ist im Paddockbau als Trenn– oder Tretschicht beliebt. Die Kunstgrashalme bestehen aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyamid. Kunstrasen ist wasserdurchlässig, weich und rutschfest. Gebraucht ist er meist recht günstig zu bekommen, in der Entsorgung ist er allerdings sehr teuer, da er als Sondermüll gilt. Das Problem: Als Füllmaterial nutzen Sportplätze kleine Kunststoffkügelchen, meist hergestellt aus alten Autoreifen – und dieses Kunstrasengranulat war damit bisher der größte Verursacher von Mikroplastik. 2023 trat in der EU ein Verbot des Verkaufs von Mikroplastik in verschiedenen Bereichen in Kraft, für den Kunstrasen im Sport gilt eine Übergangsfrist von acht Jahren.

Kurweise Fütterung

Kurweise Fütterung ist eine zeitlich begrenzte Fütterung zumeist eines Monopräparats, um einen (oft über das Blutbild festgestellten) Mangel zu beheben. Bei einer kurweisen Fütterung wird also davon ausgegangen, dass der Organismus den fehlenden Bestandteil “speichern” und dann langfristig verwenden kann. Dies ist bei vielen kurweise gefütterten Präparaten jedoch nicht der Fall. Um der Entstehung eines Mangels vorzubeugen, empfiehlt sich die bedarfsgerechte Fütterung bei der das Pferd durchgehend mit einem Mineralfutter versorgt wird, das sich an der Zusammensetzung des Heus (und ggf. Kraftfutters) richtet, und das wiederum ist regional sehr unterschiedlich. Dies macht insofern Sinn, als dass ein Mangel auch durch Überversorgung mit einem anderen Baustein entstehen kann: Zinkmangel kann z.B. durch Überversorgung mit Eisen und Mangan zustande kommen – diese hemmen die Aufnahme von Zink. Kurweises Zufüttern von Zink wird an dieser Situation langfristig nichts ändern. Hier kann nur eine dauerhafte Fütterung eines angepassten Mineralfutters helfen.

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L

Laminitis

siehe Hufrehe

Leckstein

Lecksteine sind natürliche oder industriell hergestellte und in Form gepresste Blöcke, die von Pferden abgeschleckt werden sollen, um eine Unterversorgung im Nährstoffhaushalt auszugleichen. Am häufigsten findet man in Ställen Salzlecksteine, denn eine natürliche Bedarfsdeckung an Salz (Natriumchlorid) mit Futtermitteln wie Heu und Gras aber auch Getreide ist nahezu unmöglich. Ein Salzleckstein ist insofern sinnvoll, als dass Pferde  Pferde normalerweise in der Lage sind, Salz nach Bedarf aufzunehmen (Ausnahme: Fohlen). Wenn Pferde exzessiv daran lecken, ist jedoch unbedingt Ursachenforschung gefragt. Immer häufiger findet man auch Lecksteine mit weiteren Inhaltsstoffen wie Zink oder Selen. Wird das Pferd bereits bedarfsgerecht mit Mineralfutter gefüttert und/oder deckt den Bedarf ohnehin schon über das Heu ab, kann es hier allerdings zu einer Überversorgung kommen. Eine Verwendung sollte sinnvollerweise mit dem Fütterungsprofi oder Tierärzt*in abgesprochen werden.

Siehe auch Mineralfutter bzw. Mineralleckstein.

Leitungsanästhesie

Leitungsanästhesie kommt oft bei einer tierärztlichen Lahmheitsdiagnostik zur Anwendung. Dabei wird gezielt ein Lokalanästhetikum gespritzt, um angrenzende Nerven zu desensibilisieren. Sie wird schrittweise nach einem bestimmten Schema durchgeführt und dazwischen das Pferd wieder in Schritt und Trab vorgeführt, um Veränderungen des Lahmheitsgrades zu beurteilen. Ziel ist die Lokalisation der Lahmheitsursache.

Leptinresistenz

Leptin ist ein Hormon, das vorwiegend von Fettzellen gebildet wird und bei der Regulierung der Nahrungsaufnahme eine wichtige Rolle spielt. Es sorgt für die Hemmung des Hungergefühls. Von Leptinresistenz spricht man, wenn trotz eines insgesamt erhöhten Leptinspiegels die Wirksamkeit des Hormons herabgesetzt ist. Das Sättigungsgefühl tritt nicht mehr auf, die Pferde erscheinen unersättlich. Leptinresistenz wird bei übergewichtigen Pferden, oft in Zusammenhang mit EMS, beobachtet. Hier wird durch die Fettdepots immer mehr Leptin ausgeschüttet, bis der Körper irgendwann gar nicht mehr darauf reagiert. Übergewichtige Pferde verlieren ihr Sättigungsgefühl, es folgt eine immerwährende Gewichtszunahme.

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M

Magengeschwür

Magengeschwür beim Pferd ist eine häufige, aber oft leider unerkannte Erkrankung, die durch Faktoren wie Stress (Hauptauslöser), Fütterung (lange Fresspausen), nicht artgerechte Haltung, zu intensives Training, Medikamente oder Koliken verursacht wird. Anzeichen und Symptome können von einem Tierarzt oft verlässlich gedeutet werden, eine gesicherte Diagnose ist aber nur mithilfe einer Magenspiegelung möglich. Magengeschwüre lassen sich in der Regel gut medikamentös behandeln, gleichzeitig müssen aber auch die Auslöser eliminiert werden.

Mineralfutter & Mineralleckstein

Als „Mineralfutter“ wird Zusatzfutter für Pferde bezeichnet, das mit Mineralstoffen angereichert ist. Manchmal werden Mineralstoffe auch über einen Mineral-Leckstein angeboten.
Mineralstoffe sind anorganische (also „leblose“) Nahrungsbestandteile. Je nach Menge (viel/wenig) werden sie in Mengen- und Spurenelemente unterteilt. Mehr dazu (und zur Frage, ob Minerallecksteine bzw. eine „Mineralbar“ sinnvoll oder gar gefährlich sind!), erfährst du in unserem Blog-Beitrag zum Thema „Womit dein Pferd (nicht) gefüttert werden sollte„.

Miscanthus

Miscanthus ist eine schnell wachsende Grasart aus der Familie der Süßgräser. Miscanthus wird u.a. für die Herstellung von Einstreu für Pferdeställe verwendet und gilt als saugfähiges, staubarmes, allergikerfreundliches Einstreu. Es wird in Pelletform verkauft und eignet sich gut zur Matratzenbildung.

Mustang-Roll

Der Begriff kommt aus dem Bereich Natural Hoof Care und wurde von Jaime Jackson geprägt, der die Hufe von Mustangs in der freien Wildbahn beobachtete. Er stellte fest, dass diese am Tragrand leicht abgerundet waren. Bei der Hufbearbeitung bezeichnet die Mustang Roll entsprechend eine Berundung der Hufwand, die das Ausbrechen und/oder Weghebeln der Hufwand verhindern soll.

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N

Nipper

Ein Nipper ist eine Hufschneidezange und wird bei der Hufbearbeitung üblicherweise verwendet, um die Hufwand zu kürzen.

NPA (Negative Palmar/Plantar Angle)

NPA – auf Deutsch negativer palmarer/plantarer Winkel – bezieht sich auf die Lage des Hufbeins in Relation zum Boden. Von einem negativen Winkel spricht man, wenn die Hufbeinäste tiefer als die Hufbeinspitze liegen. Es handelt sich um eine häufig beobachtete Fehlstellung, die in Zusammenhang mit langen Zehe/untergeschobenen Trachten auftritt. Steht das Pferd auf allen vier Füßen gleichmäßig, sollte das Hufbein einen leicht positiven Winkel haben – das bedeutet, die Hufbeinspitze sollte tiefer liegen als die Hufbeinäste.

NSAIDs

NSAID steht für non-steroidal anti-inflammatory drug, also nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente, die bei Pferden bevorzugt als Schmerzmittel eingesetzt werden. Der wohl gebräuchlichste Wirkstoff ist Phenylbutazon. Andere oft verabreichte NSAIDs sind etwa Flunixin oder Meloxicam, es gibt aber auch weitere Wirkstoffe, die dieser Medikamentengruppe zuzurechnen sind.

NSAIDs sind Cyclooxygenasehemmer – Cyclooxygenasen sind Enzyme, und davon gibt es zwei wesentliche: COX-1 und COX-2. Phenylbutazon und Flunixin sind unspezifische Cyclooxygenasehemmer (hemmen sowohl COX-1 als auch COX-2), während Meloxicam eine leicht selektive COX-2-Wirkung hat. Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass selektive COX-2 Hemmer hinsichtlich Nebenwirkungen etwas besser abschneiden, hier ist aber die Forschung jedenfalls noch nicht abgeschlossen (siehe dazu etwa Lauren M. Richardson et al. „Effect of selective versus nonselective cyclooxygenase inhibitors on gastric ulceration scores and intestinal inflammation in horses.“ Veterinary Surgery 47.6 (2018): 784-791.).

Zu beachten ist, dass NSAIDs bei langfristiger Gabe und/oder hoher Dosierung das Risiko von Geschwüren im Magen und Magen-Darm-Trakt erhöhen und Nierenschäden (bis hin zu akutem Nierenversagen) verursachen können. Damit können sie selbst eine Erkrankung auslösen oder verstärken. Einen aktuellen Überblick zu Nebenwirkungen bietet u.a. Jordan Flood und Allison J. Stewart. „Non-steroidal anti-inflammatory drugs and associated toxicities in horses.“ Animals 12.21 (2022): 2939. 

Gerade zum Thema Phenylbutazon und Magenschutz sind aktuelle Studien lesenswert (siehe Canaan M. Whitfield‐Cargile et al. „Effects of phenylbutazone alone or in combination with a nutritional therapeutic on gastric ulcers, intestinal permeability, and fecal microbiota in horses.“ Journal of Veterinary Internal Medicine 35.2 (2021): 1121-1130.). Alle hier zitierten Studien sind kostenfrei im Internet zugänglich.

Eine Gabe von NSAIDs sollte jedenfalls im Hinblick auf Nebenwirkungen immer eng tierärztlich begleitet und bei Bedarf gemeinsam mit dem Tierarzt reflektiert werden.

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O

Obel

Nils Obel hat 1948 eine fünfstufige Skala zur Beurteilung der Lahmheit bei Hufrehe entwickelt, die Aussagen über die Schmerzhaftigkeit erlauben soll. Aufbauend auf dieser Skala wurde eine modifizierte Obel-Methode entwickelt (Meier et al. 2019), die anhand von fünf Kriterien zu einem Ergebnis zwischen 0 und 12 Punkten kommt. Eine hohe Punktezahl geht mit hohen Schmerzen einher. Die Skalen im Detail findest du hier.

Ölfütterung

Pferde haben keine Gallenblase (im Gegensatz zu uns Menschen), aber sie können Öle dennoch in gewissem Maße verwerten. Was Ölfütterung beim Pferd bewirkt und ob es nun Sinn oder Unsinn ist, erklären wir dir genauer in unserem Blog-Beitrag zum Thema „Pferdefütterung: was braucht dein Pferd (nicht)„.

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P

Paddocktrail

Ein Paddocktrail (in Amerika: Paddock Paradise) ist ein Aktivstallkonzept aus der Pferdehaltung, das den Pferden Wanderrouten und damit Bewegungsanreize bietet. Während traditionell Paddocks eher quadratisch sind und waren, ist ein Paddocktrail ein Pfad, meist um eine Weide oder andere Fläche herum, an dem die Pferde entlanggehen können. Zwischendrin befinden sich Futterstationen, Hindernisse, Wasserstellen und andere Punkte, die Beschäftigung für die Pferde bieten.

PAT-Werte

PAT steht für Puls, Atmung und Temperatur, also die Vitalwerte beim Pferd. An diesen Parametern bekommst du einen messbaren Eindruck, ob dein Pferd gesund ist.

Der Ruhepuls eines gesunden Pferdes liegt zwischen 28 und 40 Schlägen in der Minute. Das Pferd macht 8 bis 16 Atemzüge in der Minute. Die Körpertemperatur liegt bei 37,5 bis 38,2 Grad. Es empfiehlt sich, als Pferdebesitzer*in immer wieder die PAT Werte beim gesunden Pferd zu ermitteln, um zu wissen, was für das eigene Pferd “normal” ist und eine Routine bei der Messung dieser Werte zu entwickeln. 

Podotrochlose

siehe Hufrolle

PPID

PPID steht für Pituitary pars intermedia dysfunction, früher Equines Cushing genannt. Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Hirnanhangdrüse schüttet zu viel von dem Hormon ACTH aus, was zu einer Störung des hormonellen Gleichgewichts führt. 

PPID und EMS ähneln sich zunächst in ihrer Symptomatik. Eine Blutabnahme und Ermittlung des ACTH-Wertes kann Gewissheit bringen (Achtung: nach der Blutabnahme wird der ACTH im Blut abgebaut, die Probe muss also sehr zeitnah ins Labor und dort weiterverarbeitet werden).

Eines der ersten Symptome von PPID ist eine akute Hufrehe, die vorrangig im Herbst auftritt (in dieser Zeit erfolgt ein jahreszeitbedingter Anstieg des ACTH-Ausschüttung). Wird die Krankheit nicht erkannt und das Pferd nicht entsprechend medikamentös eingestellt, entwickeln sich mit der Zeit weitere Symptome, ein spätes Symptom ist ein ausgeprägter Hirsutismus – die Pferde haben einen gestörten, verzögerten Fellwechsel.

PPID kann mit täglicher Medikamentengabe sehr gut unter Kontrolle gebracht werden und macht den Pferden dann auch keine Probleme mehr. Eine regelmäßige Blutuntersuchung und ggf. Anpassung der Medikamentendosis ist jedoch erforderlich.

Pulsation

Unter Pulsation – lateinisch für „periodisches Schwanken” – versteht man einen deutlich spürbaren, starken Puls am Fesselkopf, es “pocht”. Sie ist eine Indikator für eine Erkrankung. Ist die Pulsation nur leicht, ist sie für Ungeübte schwer zu fühlen. In einem heftigen Reheschub ist sie hingegen auch für Laien sehr leicht zu finden und in einigen Fällen sogar von Außen sichtbar – die Haut bewegt sich rhythmisch über der Arterie.

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Q

Quarzsand

Ihr dachtet wirklich, uns fällt kein Wort mit Q ein? Zum Glück haben wir an Quarzsand gedacht, eine beliebte Tretschicht beim Paddock- und Reitplatzbau.

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R

RAO (Recurrent Airway Obstruction)

RAO ist eine wiederkehrende Atemwegsobstruktion und bezeichnet die schwere Form des Equinen Asthmas. Die Pferde zeigen dabei deutliche Einschränkung bei der Atmung (Atemgeräusche, Pressen mit der Bauchmuskulatur, Leistungsabfall etc.), eher kraftlosen Husten und schleimigen Nasenausfluss. Meist sind Pferde über 10 Jahren betroffen, manchmal geht bereits eine Krankheitsgeschichte mit IAD voraus.

Die RAO-Erkrankung kann immer wieder in Schüben aufflammen, meist wenn es eine Änderung in den Umgebungsvariablen gibt (z.B. Aufstallung, geänderte Heufütterung etc.). Je häufiger die Schübe auftreten bzw. anhalten, desto weiter schreitet die Erkrankung voran, d.h. das Lungengewebe baut sich um (“Remodeling”, das kann man sich wie Vernarbung vorstellen) und die Atmung fällt immer schwerer. Wenn die Bauchpresse dauerhaft zur Atmung benötigt wird, bildet sich die sogn. “Dampfrinne” aus.

Um das zu verhindern, muss vor allem die Haltung optimiert werden. Die Ursachen für equines Asthma müssen beseitigt werden, d.h. die Pferde sollten permanent an frischer Luft gehalten werden und ausschließlich mit einwandfreiem Heu gefüttert werden (frei von Schimmelsporen und Feinstaub; ggf. muss das Heu bedampft werden). Auch Inhalieren kann den betroffenen Pferden helfen, beseitigt aber nicht die Ursachen und hält eine Verschlechterung der Erkrankung daher nicht auf.

Rehepolster

Ein Rehepolster ist eine mögliche Notfallmaßnahme bei einem Reheschub. Die Theorie dahinter ist, die Lastverteilung auf die Sohle und den hinteren Hufbereich (Strahl, Trachten) zu verlagern, damit der geschädigte Hufbeinträger entlastet wird. Dementsprechend hilft es manchen Pferden, den Strahl- und Trachtenbereich mit einem festen Polster zu unterfüttern und das Polster mit einem Klebeband am Huf zu fixieren. Für andere Rehepferde ist ein weicher, vollflächiger Polster in Hufschuh bequemer. Andere vertragen überhaupt kein Polster und fühlen sich am wohlsten, wenn sie einfach nur in einer tief eingestreuten Spänebox stehen. Andere wiederum wollen Stabilität – sie finden Casts oder einen Gipsverband besonders angenehm. So oder so – hier ist das individuelle Pferd gefragt. Steht/geht es mit Polster schlechter als ohne – weg damit, auch wenn man gerade eine halbe Stunde mit Bastelarbeiten und ordentlich Materialkosten dafür aufgeopfert hat.

Rundkies

Kies ist eine beliebte Tretschicht in der Pferdehaltung. Dabei gilt es aber zu beachten, dass Kies nicht gleich Kies ist. Als huffreudlicher Untergrund eignet sich kleiner Rundkies (“Rollschotter”, “Erbsenkiesel”), der mindestens 10 cm tief, besser noch etwas tiefer, ausgeschüttet wird, um einen optimalen Einsinkeboden zu bieten. Für einen Pferdeauslauf oder Trail eignet sich, in Abhängigkeit von der Hufgesundheit der Pferde, Rundkies in der Körnung 2-10 mm oder 8-16 mm.

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S

Schafwolle

Unbehandelte Schafwolle eignet sich aufgrund der desinfizierenden, entzündungshemmenden und pflegenden Eigenschaften des Lanolins (Wollfett) und der Fähigkeit der Wolle, Feuchtigkeit zu absorbieren, besonders gut als natürliche Einlage für Hufschuhe.

Wie man Schafwolle im Hufschuh anwendet, kannst du dir hier auf YouTube ansehen.

Schmerzgesicht

Pferde äußern Schmerzen nicht durch Laute sondern durch ihr Verhalten und ihre Körpersprache. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist dabei ihr Gesicht. Eine Möglichkeit, das Schmerzgesicht eines Pferdes möglichst objektiv zu erfassen und Veränderungen im Verlauf messen zu können, ist die Horse Grimace Scale. Dabei werden sechs Gesichtsausdrücke (Ohren, Stirnregion, Augen, Kaumuskulatur, Nüstern und Maul) beurteilt und jeweils auf einer Skala von 0 (gar nicht vorhanden) bis 2 (stark ausgeprägt) bewertet. Konkret wird geachtet auf: steif rückwärts gerichtete Ohren, Muskelanspannung oberhalb der Augen, graduelles Schließen der Augen, angespannte, hervortretende Kaumuskulatur, angespannte Nüstern mit abgeflachtem Nasenprofil sowie eine angespannte Maulpartie mit hervortretendem Kinn. Je mehr Punkte vergeben werden, desto stärker ausgeprägt sind die Schmerzen des Pferdes. Im Internet findet man zur Horse Grimace Scale sehr gute Anleitungen mit Fotobeispielen, die bei der Beurteilung helfen.

Sekundenkleber

Moderne Klebebeschläge (“Beklebe”) bestehen aus einer Kuststoff-Grundplatte, an der flexible Laschen (“Finger”) mittels Heißluftfön angeschweißt werden und die Laschen werden wiederum mittels Sekundenkleber an der Hufwand angeklebt. Oftmals haben Pferdebesitzer die Sorge, dass der Sekundenkleber den Huf schädigen könnte. Diese Sorge ist infosern nachvollziehbar, als dass jeder Sekundenkleber eine chemische Reaktion auslöst (sonst würde er nicht kleben). Aber im Falle von Bekleben ist die Sorge unbegründet, da konkret Klebstoff auf Basis von Cyanacrylat eingesetzt und die chemische Reaktion einfach durch Wassermoleküle ausgelöst wird. Dazu ist bereits der Feuchtigkeitsgehalt der normalen Luft ausreichend, weshalb der Kleber auch sehr leicht austrocknet. Diesen Effekt macht man sich zu Nutze: Sekundenkleber aus Cyanacrylat kann deshalb auch zum Verschließen von Wunden verwendet werden, weil er eben die Feuchtigkeit verbraucht und so z.B. Blutungen stoppt. Auf normaler Haut (oder Hufhorn) ist der Einsatz daher unproblematisch; lediglich auf Hautschichten mit hohem Feuchtigkeitsgehalt (z.B. Schleimhäute) wäre der austrocknende Effekt problematisch und deshalb ist im Umgang mit Sekundenkleber beim Anbringen von Klebebeschlägen trotzdem Vorsicht angesagt – der Kleber darf keinesfalls in Augen gelangen oder verschluckt werden.

Im Unterschied zu diesen Laschensystemen gibt es auch Klebebeschläge, die mittels 2K-Kleber am Huf angebracht werden.

Selberraspler

Der Begriff „Selberraspler“ bzw. „Selbstraspler“ gehört zu den umgangssprachlichen Begrifflichkeiten und bezeichnet Pferdebesitzer, die die Hufe ihrer eigenen Pferde teilweise oder ganz selbst bearbeiten. Ist das sinnvoll oder fahrlässig? Wir haben dazu ein Statement mit unserer Meinung verfasst: die Mission Selberraspler – wenn Pferdebesitzer selber Hufe schneiden.

Self-Trim

Self-Trim ist etwas, was wir uns alle wünschen –  ja, auch wir Hufbearbeiterinnen! Es bedeutet einfach, dass die Pferde bzw. der passende Untergrund ihre Hufe so abnutzen, dass zwischen Wachstum und Abrieb ein gutes Gleichgewicht herrscht. Nicht zu verwechseln mit Selberraspeln – das machen nämlich nicht die Pferde selbst, sondern ihre Besitzerinnen und Besitzer.

Ein Beispiel für einen Self-Trim findest du hier auf unserem YouTube-Kanal.

Strahlfäule

Strahlprobleme sind sehr vielfältig, das bekannteste ist Strahlfäule. Es kommt zu Hornabbauprozessen am Strahl, er wirkt fasrig, zersetzt, in weiterer Folge auch faulig, manchmal schwarz, stinkend. Ein verkümmerter Strahl und tiefe mittlere Strahlfurchen sind aufgrund ihrer Enge anfälliger für Strahlfäule als ein gut ausgeprägter, gesunder Strahl.

Strahlfäule muss jedenfalls behandelt werden. Strahlfäule kann auch Ursache für Fühligkeit, Stolpern oder Lahmheit sein. 

Manchmal wird von außen nur ein schmaler Spalt gesehen, der unbehandelt bleibt. So kann sie weiter in den Ballenbereich und am Kronsaum entlangwandern, Bakterien und Pilze fressen sich bis tief in die durchbluteten Strukturen. Eine konsequente Behandlung ist also ein Muss. Wichtig ist dabei, den Dreck zunächst vorsichtig zu säubern und erst dann ein geeignetes Strahlfäulemittel aufzutragen und bei Bedarf den Strahl zu tamponieren

Stützbeinlahmheit

Die Stützbeinlahmheit ist eine Form der Lahmheit, bei der die Stützphase des Bewegungszyklus gestört ist. Sie betrifft das Pferdebein, welches mit dem Huf auf dem Boden steht bzw. Gewicht aufnimmt – das Pferd also stützt. Der Schmerz tritt beim Auftreten des entsprechenden Beins auf, die Pferde versuchen so schnell wie möglich ihr Gewicht wieder auf das gesunde Bein zu bringen. Stützbeinlahmheit ist auf harten Böden besser sichtbar als auf weichen. Das Gegenstück zur Stützbeinlahmheit ist die Hangbeinlahmheit.

Subklinisch

Der Begriff subklinisch beschreibt im Allgemeinen eine Erkrankung mit “leichtem Verlauf” bzw. einem Verlauf, der klinisch nicht oder nur schwer erkennbar ist. Oftmals bleiben solche Krankheiten daher lange undiagnostiziert.

Subklinische Hufrehe

In der Praxis wird der Begriff “subklinischen Hufrehe” oft verwendet, um einen Zustand der Hufe zu beschreiben, der noch nicht den Anzeichen von “klassicher” Hufrehe nach Lehrbuchmeinung entspricht, aber bereits in diese Richtung deutet. Denn “klassische” Hufrehe wird häufig erst dann diagnostiziert, wenn das Pferd deutlichen Wendeschmerz zeigt, eine Sägebockstellung einnimmt oder am Röntgen bereits sehr deutliche Schäden erkennbar sind (Rotation, Absenkung).

Manchmal wird auch von “schleichender Hufrehe” anstatt von “subklinischer Hufrehe” gesprochen; damit ist aber das gleiche gemeint. Anzeichen, die als subklinische/schleichende Rehe gewertet werden können:

  • gezerrte, verbreiterte weiße Linie
  • dünne Sohle
  • vorgewölbte Sohle
  • Ringe in der Hufwand (insbes., wenn diese nicht parallel zueinander sind)
  • schnabelnde Zehenwand
  • diffuse Lahmheit bzw. Fühligkeit, manchmal auch einfach nur “Unwillen zur Bewegung”/”Faulheit”

Diese Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben und deshalb wird in der Praxis oftmals noch nicht in Richtung Hufrehe gehandelt. Je mehr dieser Symptome jedoch gemeinsam auftreten und das Pferd vielleicht obendrein noch auf der Wiese steht, Anzeichen für EMS oder PPID zeigt, desto eher sollte eine subklinische Hufrehe in Betracht gezogen werden. Und dann ist sehr rasches Handeln angesagt, denn subklinische Hufrehe bedeutet, dass es sich hier um ein Anfangsstadium handelt, das ohne Behandlung/intervenierende Maßnahmen früher oder später chronisch oder akut/klinisch wird. Auch bei einer subklinischen Hufrehe sind bereits Schäden im Huf vorhanden und sind für das Pferd bereits schmerzhaft. Daher sollte dieser Zustand von Pferdebesitzern genauso ernst genommen werden wie ein akuter Schub. Denn wenn bereits bei diesen ersten subtilen Anzeichen gehandelt wird, dann ist ein akuter Schub verhinderbar!

Supporting Limb Laminitis

Ein englischer Begriff für Belastungsrehe.

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T

Tamponieren

Hat ein Pferd tiefe Strahlfäule, wird man bei der Behandlung nicht umhin kommen, die mittlere Strahlfurche und/oder die seitlichen Strahlfurchen sorgfältig zu tamponieren. Ohne Tamponaden ist eine Behandlung der schmalen Ritzen kaum wirksam. Dafür eignen sich bspw. Mullkompressen oder Dentaltamponaden in Kombination mit einem geeigneten Strahlfäulemittel oder fertig zu kaufende Produkte, die für das Tamponieren hergestellt werden. Spätestens nach 48h sollte die Tamponade erneuert werden. Bevor tamponiert wird, muss zunächst der Strahl sorgfältig und vorsichtig von Schmutz gereinigt werden, dazu wird z.B. ein Stück Mullbinde in die Ritzen gestopft und wieder hinausgezogen, der Vorgang wird so oft wiederholt, bis die Mullbinde sauber bleibt.

Toxische Hufrehe

Die Toxische Hufrehe (“Vergiftungsrehe”) ist eine der drei Arten von Hufrehe und kann auch auftreten, wenn keine endokrine Störung vorliegt – kann also jeden treffen. Auslöser sind zum Beispiel der gefürchtete “Einbruch in die Futterkammer” (wenn tatsächlich so große Mengen an “normalem” Futter konsumiert werden, dass es zum Absterben von Darmbakterien kommt), eine Vergiftung mit Giftpflanzen oder Pflanzenschutzmitteln, eine Nachgeburtsvergiftung oder sie kann auch als Folge von Kolikoperationen auftreten. Die Folgen treten akut und sehr stark auf. Die toxische Hufrehe hat jedoch nur einen sehr kleinen Anteil an allen Hufrehefällen, den überwiegenden Teil stellen Hufrehefälle mit einer zugrundeliegenden endokrinen Erkrankung dar, bei denen die Hufrehe sich oft über Monate oder Jahre hinweg entwickelt, bis sie akut wird.

Trachtenhöhe

Die Trachtenhöhe ist der Abstand zum obersten Punkt der Trachten gemessen im 90-Grad-Winkel vom Boden. Nicht zu verwechseln mit der Trachtenlänge, bei der nicht im 90-Grad-Winkel vom Boden, sondern entlang der Trachten gemessen wird. Bei untergeschobenen Trachten ist üblicherweise die Trachtenlänge deutlich größer als die Trachtenhöhe.

Tragrand

Tragrand ist der Teil des Hufes, der auf einem ebenen, harten Boden Bodenkontakt hat bzw. haben sollte. Je nach Hufbearbearbeitungsrichtung bezeichnet der Begriff Tragrand entweder nur die Hufwand oder auch den wandnahen Teil der Hufsohle. Der Begriff Tragrandüberstand bezeichnet üblicherweise den Teil der Hufwand, der “länger” als die Sohle ist. Was am Pferdehuf eigentlich tragen soll, dazu gibt es viele Diskussionen. In der Praxis wird auf einem Einsinkeboden immer der gesamte Huf, also auch Strahl und Sohle, mittragen. Auf einem harten Betonboden ist das durch die Form des Hufes (Sohlengewölbe) nicht der Fall.

Trennschicht

Die Trennschicht ist Teil des 3-Schicht-Aufbaus mit Tragschicht (Unterbau), Trennschicht und Tretschicht. Sie soll ein Vermischen der Trag- und Tretschicht verhindern. Oft kommen hier Brechsande, Kalkstein, Splitt oder auch Naturgesteine wie Lava zum Einsatz oder auch Gummimatten oder Rasterplatten, die damit verfüllt werden, oder beispielsweise Vlies.

Tretschicht

Die Tretschicht ist der oberste Teil des 3-Schicht-Aufbaus mit Tragschicht (Unterbau), Trennschicht und Tretschicht und damit der Teil, mit dem das Pferd primär in Berührung kommt. Sie sollte weder zu tief noch zu dünn sein, nicht rutschig und gut wasserdurchlässig. Meistens wird Sand als Tretschicht verwendet, hier ist jedenfalls darauf zu achten, dass er gesiebt und gewaschen ist und der Lehmanteil möglichst gering ist (da sonst das Wasser nicht abfließt). Andere Varianten von Tretschichten sind z.B. Hackschnitzel, Rindenmulch oder Teppichschnitzelgemische. Hier sollte jeweils auf den Einsatzzweck, den Umweltgedanken und die Nachhaltigkeit geachtet werden, da Rindenmulch beispielsweise sehr schnell verrottet.

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U

Unterbau

Der Unterbau ist die unterste Schicht eines Paddocks oder Reitplatzes, er wird auch Tragschicht genannt. Oft besteht sie aus gröberem Material wie beispielsweise Schotter. Das Material für den Unterbau soll eine hohe Tragfähigkeit und Wasserdurchlässigkeit gewährleisten und die beste Basis für die Trenn– und Tretschicht bilden. Oft wird im Unterbau auch eine Drainage eingearbeitet.

Untergeschobene Trachten

Bei untergeschobenen Trachten handelt es sich um eine Deformation der Hornkapsel des Pferdehufes, bei der die Trachten nicht tragfähig sind und zu flach werden. Von der Außenseite aus betrachtet: bei einem gesunden Huf verlaufen die Hornrörnchen der Trachtenwand und der Zehenwand parallel zueinander, im selben Winkel zum Boden. Stehen die Trachten flacher als die Zehenkante des Hufes, so ist dies ein deutliches Indiz für untergeschobene Trachten (Achtung: es kann auch die Zehenwand wegrotiert sein, Stichwort Hufrehe). Mit korrekter Hufbearbeitung kann die Situation mit der Zeit deutlich verbessert werden.

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V

Vergiftungsrehe

Die Begriffe Vergiftungsrehe und toxische Hufrehe werden meist synonym verwendet.

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W

Waldboden

Waldboden ist eine Einstreu in der Pferdehaltung, die aus frischem Hackgut aus dem Wald hergestellt wird (kleine Holzteile, Nadeln, etc.). Waldboden staubt nicht, ist saugstark und geruchsarm, da der Boden durch die enthaltenen Mikroorganismen weiterhin “lebt”. Eingestreut wird rund 25 cm dick. Neben dem täglichen Abmisten ist je nach Nutzungsintensität längere Zeit kein Ersetzen des Waldbodens notwendig. Allerdings benötigt Waldboden eine gute Pflege: damit die Mikroorganismen optimal arbeiten können (und z.B. die Bildung von Ammoniak verhindern), muss der Boden ggf. im Sommer gewässert werden oder in der nassen Jahreszeit mit trockenem Material durchmischt werden. Wenn der Boden zu nass wird, können nämlich stattdessen Pilzsporen die Überhand nehmen und Hufpilzinfektionen verursachen. Der Einsatz von effektiven Mikroorganismen kann daher zusätzlich sinnvoll sein.

Je nach Anzahl der Pferde bzw. Größe des eingestreuten Bereichs kann der Waldboden außerdem sehr schnell verdichten und dadurch hart werden. Als vorbeugende Maßnahme sollte er daher regelmäßig (ggf. wöchentlich) mit einer Bodenharke aufgelockert werden.

Weiße Linie

Die weiße Linie ist eigentlich überhaupt nicht weiß. Sie ist eher gelblich und besteht aus Hornplättchen, die von unten wie kleine Streifen erscheinen. Sie bildet den Übergang von Hufsohle zu Hufwand und ist bei einem gesunden Huf wie ein fester Verschluss, der im Zehenbereich nicht breiter als 3-4 mm ist. Sie ist allerdings weicher als das Horn von Wand und Sohle und ist damit anfälliger für Fremdkörper wie kleine Steinchen oder aber auch Pilze und Bakterien.

Winterlaminitis

Manche Pferde mit einer zugrundeliegenden Stoffwechselthematik (IR, PPID) entwickeln eine Hufrehe bei kalten Temperaturen. Ausführliche Informationen dazu hat Dr. Kellon 2015 für die Hufrehe-Konferenz 2015 vorbereitet, die im dazugehörigen Konferenzband nachzulesen sind – dieser ist im Internet kostenfrei zugänglich (Winter Laminitis, Eleanor M.Kellon, VMD, ECIR Group Inc., 2015 NO Laminitis! Conference, Austin, TX, USA). Dort wird Winterhufrehe definiert als beidseitiger Schmerz der Vorderhufe, der sich bei Pferden mit einer Vorgeschichte von Insulinresistenz, mit oder ohne PPID, normalerweise ohne offensichtliches auslösendes Ereignis, in den kalten Monaten entwickelt. Das Verhalten weist eindeutig auf Hufrehe-ähnliche Schmerzen hin, Sägebockhaltung, Bewegungsunlust. Die Hufe sind nicht warm, Pulsation kann aber muss nicht damit einhergehen. Das Röntgen zeigt oft keine Veränderung der Lage des Hufbeins. NSAIDs zeigen oft keine positive Wirkung, führen manchmal sogar zu einer Verschlechterung. Die Ursache zu beheben, ist entscheidend. Ist die Kälte der Auslöser, so gilt es, die Beine und Hufe warm zu halten, u.a. sollten gefütterte Hufschuhe oder Hufschuhe mit warmen Socken zum Einsatz kommen, Beinwickel, Decken. Aufgrund der zugrundeliegenden Stoffwechselproblematik ist die Fortsetzung einer zuckerarmen Ernährung natürlich ebenso ein Muss.

WLD (White Line Disease)

White Line Disease – auf Deutsch “Erkrankung der weißen Linie” ist eine Pilzinfektion am Huf. Meist beschränkt sich diese allerdings nicht auf die Weiße Linie, sondern breitet sich auf die unpigmentierte Schicht des Wandhorns aus, die bei Dermatophyten (keratinzerfressende Fadenpilze) besonders beliebt ist. Meistens sind auch Bakterien an dem Geschehen beteiligt. Übrig bleibt graues, mehlig-bröseliges Material, das sich leicht herauskratzen lässt.

Ein gesunder Huf ist widerstandsfähig, WLD ist also ein Indiz für einen geschwächten Huf, in dem Eintrittspforten für Pilze und Bakterien entstehen. Häufige Verursacher können u.a. sein: Mangelversorgung oder Überversorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen, Risse und Spalten im Huf, Hufrehe mit der verbreiterten weiße Linie im Zehenbereich, Löcher von Hufnägeln.

Für eine Beseitigung der Infektion müssen die befallenen Bereiche von einem Hufprofi entfernt werden, die Stellen werden danach mit fungiziden Mitteln behandelt, die möglichst auch antibakteriell wirken.

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X

X-Beinigkeit

Als x-beinig wird ein Pferd bezeichnet, wenn der Abstand zwischen den Vorderfußwurzelgelenken nur sehr gering ist. Ist er hingegen auffallend weit, spricht man von O-Beinigkeit oder Fassbeinigkeit.

Xenophon

Anfangs waren wir skeptisch, ob wir überhaupt ein Wort mit X finden würden. Aber da fiel uns Xenophon ein, der griechische Reiterführer, der systematische Abhandlungen rund ums Pferd verfasste. Seine rund 350 v. Chr. Abhandlung “Über die Reitkunst” ist auch heute noch lesenswert. Viele seiner Ausführungen rund um gewaltfreien Umgang mit Pferden, deren Ausbildung und Gymnastizierung sind auch heute nach wie vor noch sehr aktuell.

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Y

Youngster

Wir geben es zu, es ist nicht ganz so einfach, ein Wort mit Y zu finden, das hier im Glossar unbedingt Eingang finden sollte. Aber zum Glück können wir Begriffe aus dem Englischen entlehnen – wie Youngster. Als Youngster wird ein junges, unerfahrenes Pferd bezeichnet. Wo man hier genau die Altersgrenze zieht, ist von Disziplin zu Disziplin sehr unterschiedlich. Fällt euch ein Begriff mit Y an, der hier besser reinpasst? Wir freuen uns über Anregungen!

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Z

Zehenweite/Zehenenge Stellung

Von einer zehenweite Stellung spricht man, wenn bei der Beurteilung von vorne die Zehenachsen nach außen hin verlaufen, die Hufe sind nach au­ßen gedreht. Das Gegenteil davon ist zeheneng, hier verlaufen die Zehenachsen nach innen hin, sind einander sozusagen zugewandt. Die Begriffe zehenweit und zeheneng beziehen sich auf die Hufstellung, die Begriffe bodenweit und bodeneng hingegen auf die Gliedmaßenachse.

Zwanghuf

Der Begriff Zwanghuf kommt von “einzwängen” – es bedeutet, dass im Huf ein falsches Kräfteverhältnis herrscht, so dass ein Teil des Hufes durch die Hufkapsel mechanisch eingezwängt wird. Dadurch wird die Lederhaut im betroffenen Gebiet gequetscht, schlechter durchblutet und produziert weniger Horn. Je nach betroffener Region unterscheidet man Trachtenzwang, Ballenzwang, Sohlenzwang und Kronzwang. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zwei oder mehr Zwangarten gleichzeitig vorkommen

Zwei-Komponenten-Kleber („2K-Kleber“)

In der Pferdewelt wird Zwei-Komponenten-Kleber vor allem bei alternativem Hufschutz (Bekleb) eingesetzt. Es gibt verschiedene Arten von 2K-Klebern; bei Klebebeschlägen bzw. orthopädischen Hufrekonstruktionen (Kunsthorn) sind 2K-Kleber auf Basis von Polyurethan (PUR) auf Basis von Methylmethacrylat (MMA) am gebräuchlichsten. Der Klebemechanismus ist jedenfalls derselbe: der Ausgangsstoff wird mit einem Härter vermischt, die beiden Substanzen reagieren miteinander und die Masse härtet dadurch aus. Im Gegensatz zu Sekundenkleber sind die chemischen Zusammensetzungen der Zweikomponentenkleber und deren chemische Reaktion beim Aushärten aus gesundheitlicher Sicht problematischer. Man sollte daher bei der Verwendung darauf achten, dass keine Dämpfe eingeatmet werden (die beim Aushärten entstehen) und auch etwaiger Schleifstaub beim Bearbeiten des ausgehärteten Klebers nicht in die Atemwege oder Gewässer gelangen.