Zu einem Hufröntgen wird meist geraten, wenn Stellungsauffälligkeiten korrigiert werden sollen oder das Pferd unklare Lahmheiten zeigt, deren Ursprung im Huf vermutet wird. Doch Achtung: Ein Röntgengerät ist kein Zauberapparat, der automatisch die Wahrheit ausspuckt. Ein Röntgenbild ist immer nur eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Objekts – vereinfacht gesagt ein „Schattenbild“ in verschiedenen Graustufen. Das macht die Interpretation anspruchsvoll: Strukturen überlagern sich, und Winkel können täuschen, wenn die Aufnahme nicht perfekt ausgerichtet ist. Schwierig machen es dabei nicht nur ungeduldige Patienten, sondern vor allem sogenannte Artefakte. Das sind Dinge auf dem Bild, die dort eigentlich anatomisch nicht hingehören, aber durch Dreck, Metall oder Bewegungsunschärfe sichtbar werden und eine Diagnose massiv erschweren können.
Was kannst du also als Pferdebesitzer*in tun, um den Termin entspannter zu gestalten und am Ende „mehr Information für dein Geld“ zu bekommen? Hier sind die vier wichtigsten Säulen:
Tip 1: Vorarbeit am Huf – „unten ohne“ für optimale Diagnostik

Wenn dein Pferd Hufeisen hat, ist es sehr ratsam, diese vor dem Röntgen von deinem Hufprofi abnehmen zu lassen. Ein Hufeisen auf dem Röntgenbild ist wie ein massiver Balken vor der Aussicht. Das Metall verursacht starke Streustrahlung, das Bild wird um das Eisen herum unscharf oder überbelichtet und natürlich verdeckt das Eisen auch Teile der relevanten Strukturen. Feine Details wie Haarrisse können so übersehen werden, der Hufbeinrand oder Teile des Strahlbeins werden verdeckt. Zudem verfälscht der Beschlag die Beurteilung der Sohlendicke. Für eine verlässliche Diagnose führt daher kein Weg daran vorbei: Das Eisen muss runter.
Ein Klebebeschlag, der rein aus Plastik besteht (also ohne Metallkern), ist für Röntgenstrahlen zwar durchlässiger, dennoch sollten auch diese Beschläge für eine optimale Beurteilung entfernt werden. In den Rillen des Kunststoffs oder im Kleber verfangen sich oft Sandkörner und kleine Steinchen. Auf dem Röntgenbild sehen diese fast genauso aus wie Knochenabsplitterungen (Chips). Das Risiko einer Fehldiagnose steigt unnötig. Zudem verfälscht auch der Kunststoffbeschlag den Blick auf die tatsächliche Sohlendicke und Hufbalance.

Tip 2: Der Platz – Das Fundament für gute Hufröntgen

Die erste Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches und vor allem messbares Hufröntgen ist die Wahl des Ortes. Suche dir einen ruhigen Platz mit absolut ebenem (!) und sauberem Boden. Warum ist „eben“ so wichtig? Wenn das Pferd schief steht (z.B. auf unebenem Pflaster oder Naturboden), verändern sich sofort die Gelenkspalten und die Winkel der Knochen zueinander auf dem Bild. Für eine präzise Hufbearbeitung brauchen wir aber verlässliche Informationen. Ein Betonboden oder eine gepflasterte Stallgasse sind meist ideal – ein abschüssiger Putzplatz oder ein unebener Sandplatz sind hingegen absolut ungeeignet.
Tip 3: Das Pferd – Trockenübungen für starke Nerven
Röntgen ist für Pferde eine seltsame Situation: Komische Platten werden zwischen die Beine geschoben, Menschen tragen raschelnde Schürzen und man muss stillstehen auf kleinen Holzklötzen. Wenn dein Pferd in neuen Situationen nicht unbedingt gechillt ist, bereite es im Vorfeld auf den Termin vor. Übe das „Röntgen-Setting“:

- Stelle das Pferd mit beiden Vorderhufen auf Holzbretter oder Podeste, denn genau das passiert beim Röntgen.
- Gewöhne es daran, dass Gegenstände (z.B. größere Balancepads) zwischen seine Beine gestellt werden.
- Platziere (Putz-)Kisten oder Hocker an unterschiedlichen Orten eng um die Beine herum.
Ziel ist es, dass diese eigentlich merkwürdige Situation für dein Pferd das Normalste der Welt wird. Das spart am Termin Zeit, Nerven und oft auch Sedierungsmittel.
Tip 4: Die Hufe – sauber reicht nicht, klinisch rein muss es sein!
Das ist der Punkt, den Besitzer am häufigsten unterschätzen. Ein bisschen Auskratzen reicht leider nicht. Mach die Hufe wirklich richtig sauber – und wenn du denkst, du bist fertig: Mach sie noch sauberer! Warum? Sandkörner, kleine Steinchen oder festgetretener Lehm sind auf dem Röntgenbild sichtbar. Sie haben oft eine ähnliche Dichte wie Knochen und können auf dem Bild aussehen wie Knochensplitter (Chips) oder Verkalkungen.
Deine Checkliste für den „Hufröntgen-Putz“

- Kratze die Strahlfurchen (auch die mittlere!), die weiße Linie und die Eckstrebenwinkel penibel aus. Hier verstecken sich die meisten Steinchen.
- Arbeite unbedingt mit einer (Draht-)Bürste nach, um auch feinen Sand restlos zu entfernen.
- Säubere die Hufwand von außen gründlich von Matsch und Einstreu.
- Vergiss das Fell am Bein nicht: Auch hier darf kein Matsch kleben oder sich Sand im Fell verstecken.
Je sauberer der Huf, desto klarer ist das Bild und desto sicherer ist die Diagnose. Du hilfst deinem Tierarzt (und deinem Geldbeutel) enorm, wenn keine Wiederholungsbilder nötig sind, nur weil ein Steinchen aussah wie ein Chip.
💡 Video-Tipp: Auf unserem YouTube-Kanal zeigen wir dir, worauf du beim gründlichen Auskratzen achten musst und wie du auch die versteckten Ecken (inkl. kleiner Steinchen in der weißen Linie) sauber bekommst. https://youtu.be/kF-Ibs_giYE?si=-r8KwvuuHxMZJHtr
Extra-Tipp zum Schluss: Vermeide „Stille Post“ bei Hufröntgen

Im Idealfall ist dein Hufprofi beim Röntgentermin direkt vor Ort. So können Tierärzt*in und Hufmensch gemeinsam am Bild und am Pferd die beste Strategie besprechen. Klappt das zeitlich nicht? Dann sorge unbedingt dafür, dass die beiden Fachleute direkt miteinander telefonieren (und du nicht als Bote fungieren musst). Das verhindert Missverständnisse, erleichtert beiden Seiten die Arbeit massiv und führt am Ende zum besten Ergebnis für dein Pferd.
Das heißt aber nicht, dass du dich selber nicht auch mit den Bildern beschäftigen kannst (oder eigentlich solltest). Die Diagnose muss auf jeden Fall von deiner/m Tierärzt*in kommen, aber damit du selber auch verstehen kannst, was auf den Röntgen deines Pferdes zu sehen ist, haben wir hier einen etwas nerdigen Beitrag zur Interpretation der Sohlendicke bei Hufröntgen erstellt: Sohlendicke auf Huf-Röntgenbildern korrekt bestimmen. Viel Spaß beim Weiterlesen!
Ohne die passenden Bilder wäre dieser Beitrag nur halb so anschaulich. Vielen Dank an Mag.a Julia Hruza (pferdepraxis-hruza.at) für die freundliche Genehmigung, ihre Aufnahmen hier verwenden zu dürfen!
