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Pferdetraining in der kalten und dunklen Jahreszeit

  • Training

Die Tage werden kürzer, draußen ist es oft schon früh dunkel und trüb, und gefühlt tummeln sich plötzlich alle gleichzeitig in der Reithalle. Sie wirkt fast wie ein zweites Wohnzimmer – manchmal mit einer gewissen Ellenbogenmentalität, die eher abschreckt als einlädt. Vielleicht ist auch der Reitplatz als einzige Trainingsmöglichkeit gerade nicht nutzbar. Lange Ausritte scheiden aufgrund von Arbeitszeiten, Dunkelheit, schlechten Bodenverhältnissen oder Restriktionen aus.

Und dann steht man da mit dem plüschigen Partner und fragt sich: Was also tun?

Der Winter bringt für uns Pferdebesitzer:innen einige Herausforderungen mit sich – mental, körperlich und organisatorisch. Gleichzeitig lädt er uns aber auch ein, innezuhalten und die Beziehung zu unseren Pferden bewusster zu gestalten.

Warum der Winter eine besondere Zeit für dein Pferd ist

Mehr als nur schlechtes Wetter: ein Systemwechsel

Die dunkle Jahreszeit ist nicht einfach nur „unangenehm“. Sie verändert das gesamte System:
weniger Tageslicht, weniger freie Bewegung, andere Bodenverhältnisse, Kälte, teils starke Temperaturschwankungen, veränderte Fütterung, oft auch mehr Stress durch Umstellungen im Stallalltag.

All das wirkt sich unmittelbar auf den Körper und das Verhalten unserer Pferde aus. (Nicht zu vergessen, dass wir in dieser Jahreszeit manchmal selbst nicht 100% körperlich fit sind!)

Was diese Veränderungen mit deinem Pferd machen können

Manche Pferde wirken in dieser Zeit besonders energiegeladen, andere eher matt oder demotiviert. Häufig trifft überschüssige Energie auf zu wenig mentale Auslastung – oder umgekehrt auf einen Körper, der sich steif und unbeweglich anfühlt.

Beides sind keine „Probleme“, sondern Hinweise. Hinweise darauf, dass es jetzt ein anderes Maß an Training, angepasster Begleitung und geistiger Beschäftigung braucht.

Typische Risiken bei Unterforderung im Winter

  • innere Unruhe oder überschieße Reaktionen
  • Frustration oder Rückzug
  • weniger flüssige Bewegungen durch steifere Muskulatur und Faszien
  • Steigende Verletzungsgefahr
  • Muskelabbau
  • sinkende Konzentrationsfähigkeit

Nicht alles, was im Sommer selbstverständlich funktioniert, ist im Winter sinnvoll. Genau hier beginnt verantwortungsvolles, pferdegerechtes Training.

Qualität statt Quantität – ein wichtiger Perspektivwechsel

Der Winter ist keine Leistungsphase. Er ist eine Qualitätsphase.

Statt lange Einheiten „durchzuziehen“, dürfen wir den Fokus verlagern:

  • von Quantität zu Qualität
  • von „mehr“ zu „passender“
  • von Ehrgeiz zu Nachhaltigkeit

Oft sind 20 Minuten bewusste, klare Arbeit wertvoller als eine Stunde Standardprogramm. Gesunderhaltung ist kein Rückschritt – sie ist die Grundlage für alles Weitere.

Mentale Ausgeglichenheit & Beziehung als Trainingsziel

Gerade im Winter lohnt es sich, Training nicht nur als körperliche Arbeit zu sehen, sondern als Dialog.
Ein Dialog, der Orientierung gibt, Sicherheit schafft und Vertrauen stärkt.

Verbindung entsteht nicht durch das Abarbeiten von Lektionen, sondern durch gemeinsames Wahrnehmen, Zuhören und Anpassen – auf beiden Seiten.

Pferdetraining im Winter: Sicherheit bei Dunkelheit

Viele Reiterinnen empfinden Unsicherheit, wenn es dunkel wird. Und das ist völlig legitim. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis – für Mensch und Pferd.

  • Es muss kein Ausritt sein – ein Spaziergang rund um den Stall reicht oft völlig.
  • Reflektoren und LED sind kein modisches Detail, sondern echte Lebensversicherung.
  • Deine Stimmung überträgt sich: Wähle Wege und Situationen, in denen du dich wohlfühlst.

Wintertraining bedeutet nicht, Grenzen zu überschreiten, sondern sie wahrzunehmen und bewusst zu respektieren.

Der Winter als Einladung

Der Winter lädt uns ein, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen und die Basis zu stärken.
Er ist ein Trainingsfenster voller Möglichkeiten – wenn wir bereit sind, unseren Blick zu verändern.

👉 Im zweiten Teil wird es ganz praktisch: konkrete Trainingsideen für Kopf, Körper, Kraft, Balance und Koordination – auch auf kleinem Raum. Hier geht es zu Teil 2: 3×3 praktische Übungen für Pferdetraining im Winter.

Ein kleiner Vorab-Disclaimer

Einige Tipps basieren auf dem Prinzip der positiven Verstärkung und ich möchte dir hier unbedingt den Gedanken „Setup for Success“ ans Herz legen. Also ein gut vorbereitetes Szenario, welches den jeweiligen Lernschritt möglichst leicht und somit den gewünschten Erfolg möglichst wahrscheinlich macht. 
Durch diese Arbeit und speziell mit Futterlob kann die Motivation beim Pferd sehr rasch stark ansteigen und führt nicht selten zu Verunsicherung oder beidseitigem Frust wenn ohne Plan, Grundregeln und auch Pausen trainiert wird. Damit dein Pferd nicht zum Keksmonster wird und ihr beide hier langfristig Spaß und Erfolg habt, gibt es zu diesem Thema bereits diesen Blogbeitrag und ein paar wertvolle Videobeiträge auf der YouTube-Playlist!

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